Jazzfest Wien: Das smarte Lächeln der Komplexität

29. Juni 2017, 16:51
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Zu hören sind in der Staatsoper u. a. Herbie Hancock, George Benson und Thomas Quasthoff

Wien – Chameleon ist ein funkiges Stück, dass Herbie Hancock 1973 auf dem Album Head Hunters veröffentlichte. Tatsächlich passte der Titelbegriff, der ein als Farbwechsler bekanntes Schuppenkriechtier meint, schon damals gut zu Hancocks stilflexibler Art. Stücke wie Watermelon Man, Cantaloupe Island und Maiden Voyage, Klassiker, mit denen Hancock seine Solokarriere befeuerte, zeigten seine Vielseitigkeit zwischen Modal Jazz, Hard Bop und Souljazz.

Durch sein Mitwirken beim zweiten Quintett von Miles Davis belegte er wiederum seine Fähigkeit, sich als versierter Pianist in hitzige Situationen des komplexen Jazz smart einzubringen. Und dann eben die Wendung zum Funk: Diesen entwickelte er im Laufe der Jahre zu extremer Komplexität, bevor Hancock in den 1980ern – mit Produzent Bill Laswell – das Album Future Shock herausbrachte. Es enthielt den so simplen wie eindringlich die Hitparaden bedrängenden Song Rockit.

Der Mann aus Chicago (Jahrgang 1940), der am Dienstag wieder einmal das Jazzfest Wien in der Staatsoper beehrt, hat also reichlich Material, um das Auditorium im Quintett vielfältig zu berücken. Ein Mix aus rhythmischer Raffinesse, Stilsprüngen und gute alten Hits ist zu erwarten.

Staatsoper, Porgy, Rathaus, Jazzland

In der Staatsoper geht es allerdings los mit dem heiteren Multiinstrumentalisten Helge Schneider (2. 7.). Sodann reist Bassbariton Thomas Quasthoff (er trifft Max Mutzke am 3. 7.) an – wie auch Gitarrist George Benson (6. 7.) und die Sängerinnen Madeleine Peyroux und Dee Dee Bridgewater (am 5. 7.). Abseits des Opernraums geht es im Porgy & Bess los mit einem Tribute für Joe Zawinul, das am Samstag das Jam Music Lab vollzieht.

Ebendort hört man an den Folgetagen des Festes auch Miles Mosley, Jakob Zimmermann, Ollie Howell oder Ben Wendel, während im Arkadenhof des Rathauses Saxofonist Jan Garbarek (8. 7.) und Sängerin Patti Austin (10. 7.) gastieren. Im Jazzland hört man u. a. das Andy Middleton Octett, im Reigen das Seligo Trio mit Lorenz Raab. (Ljubisa Tosic, 29.6.2017)

  • Ein gewichtiger und vielseitiger Teil der lebendigen Jazzgeschichte: Der US-amerikanische Pianist und Komponist Herbie Hancock kommt am Dienstag zum Jazzfest Wien – in die Wiener Staatsoper.
    foto: reuters

    Ein gewichtiger und vielseitiger Teil der lebendigen Jazzgeschichte: Der US-amerikanische Pianist und Komponist Herbie Hancock kommt am Dienstag zum Jazzfest Wien – in die Wiener Staatsoper.

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