Buchrezensionen: Mehr Pflanzen, weniger Fleisch

    Ansichtssache1. Juli 2017, 09:00
    66 Postings

    Wer Gemüse aus dem Beilagendasein befreien und zum Hauptgericht machen will, braucht vegetarische und vegane Kochbücher

    Wer Gemüse aus dem Beilagendasein befreien will, braucht Anleitung – eine Auswahl an aktuellen vegetarischen und veganen Kochbüchern

    foto: südwest verlag

    Alles, was guttut: Von Artischocke bis Zitrone

    Arzneimittel werden nicht nur von Pharmakonzernen hergestellt, sagen Klaus Oberbeil und Christiane Lentz und behaupten, dass vieles in der Natur wertvolle und manchmal auch heilende Wirkstoffe enthält. Man muss sie nur in Form von Obst und Gemüse zu sich nehmen. Von A wie Artischocke bis Z wie Zitrone: In ihrem neu überarbeiteten Standardwerk listen die Autoren auf, wofür und wogegen vegetarische Lebensmittel gut sind: So helfen Zwetschken bei nervöser Unruhe, Paprika festigen das Bindegewebe, und Sellerie kann Entzündungen und Blasenschwäche lindern.

    Ist wirklich gegen jede Krankheit ein passendes Obst, Gemüse oder ein Kraut gewachsen? Die Autoren sind davon überzeugt. Im zweiten Teil des Buches stellen sie Rezeptideen vor, die bei den häufigsten Krankheiten und Beschwerden helfen können. Zusatz: Zum Gesundwerden munden besser biologische Produkte, denn sie sind frei von synthetischen Düngern und chemischen Pflanzenschutzmitteln. (Christine Tragler, 1.7.2017)

    Klaus Oberbeil, Christiane Lentz: "Obst und Gemüse als Heilmittel".
    Südwest-Verlag, 2015
    336 Seiten, € 25,70

    1
    foto: becker joest volk verlag

    Vegane Diät: Reale Chance gegen die Wampe

    Eine klassische Machohaltung: Richtige Männer lieben Fleisch, Salat ist Frauensache. Das Problem: Auch Männer jammern über ihr Übergewicht. Attila Hildmann ist einer, der dem Problem mit veganen Rezepten zu Leibe rückt – und mit Vegan for Fit im deutschen Fernsehen große Erfolge feiert. Ein Spin-off seines Konzepts ist die "7-Tage-Diät". Der Vorteil an veganer Ernährung: Wer auf Tierisches und Weizen verzichtet, darf richtig viel essen. Ganze sechs Speisen pro Tag stehen auf dem Diätplan. Einzige Voraussetzung (und das könnte für Männer eine Hürde sein): Viel Unbekanntes ausprobieren. Matcha-Pulver zum Beispiel, weil grüner Tee entgiftet, viele Nussmilchsorten (Kokos-, Mandel- oder Reismilch) oder Linsenarten. Und ja, es muss selbst gekocht werden, aber das gehört zur Ernährungsumstellung ja eigentlich auch dazu. Idealerweise integriert man Gerichte aus der Diät nach den sieben Tagen dann in den Alltag. Plus Sport natürlich. Damit die Wampe trotz Essens schmelzen kann. (Karin Pollack, 1.7.2017)

    Attila Hildmann: "Vegan for fit Gipfelstürmer. Die 7-Tage-Diät"
    Becker-Joest-Volk-Verlag, 2016
    160 Seiten, € 20,60

    2
    foto: goldmann verlag

    Hauptsache grün: Wie sich Natur pur in den Alltag integrieren lässt

    Besser, gesünder, nährstoffreicher – dafür steht das Adjektiv "super", das schon seit einiger Zeit als Vorsilbe zu einer größer werdenden Anzahl von Lebensmittelbezeichnungen zu finden ist. Superfoods kommen oft von weit her, sind teuer und werden daher immer öfter auch kritisiert. Sarah Schocke, Ernährungswissenschafterin und Autorin des Buches Green Superfoods, sucht nährstoffreiche Lebensmittel daher auf heimischen Äckern und setzt noch eins drauf: Nur die grünen sollten es sein, weil sie am gesündesten sind – reich an Chlorophyll, Antioxidantien und Bitterstoffen.

    Schocke klärt zunächst auf, dass sie Spinat, Algen und Sprossen wegen der gesunden Inhaltsstoffe verwendet. Im praktischen Teil, der mit wenigen Bildern auskommt, gibt es 50 Rezepte für Aufstriche, Tees und Snacks, die sich, was die Zubereitung betrifft, recht einfach in den Alltag integrieren lassen. Eine gute Anleitung für alle, die gesünder essen, das Immunsystem stärken oder ihren Darm entlasten wollen. (Bernadette Redl, 1.7.2017)

    Sarah Schocke: "Green Superfoods. Die vitalstoffreiche Plfanzenpower"
    Goldmann-Verlag, 2017
    192 Seiten, € 13,40

    3
    foto: börsenmedien

    Alles Gemüse: Lieber flüssig als fest

    Es ist natürlich immer eine Geschmacksache: Doch wenn es um die Bekömmlichkeit von Speisen geht, sind flüssige Suppen eine gute Sache für alle, die Völlegefühl, Magendrücken oder auch Sodbrennen vermeiden wollen. Dass dafür nicht unbedingt Knochen ausgekocht werden müssen, beweist Nicole Centenos Suppen-Detox. Nur so viel vorneweg: Es ist ein Kochbuch mit Lebensphilosophie und ziemlich amerikanisch. Centeno geht es um Reinigung, um Achtsamkeit und ein glückliches Leben. Alle, die das nicht interessiert, die blättern gleich zum Rezeptteil, der wirklich einiges zu bieten hat. Zum Beispiel Daikon, eine Suppe aus Rettich, Tamarinde und Spinat, die von köstlicher Feinheit ist. Auch Pilze, Algen und Miso spielen eine zentrale Rolle. Hier hat sich die Autorin Anleihen bei der asiatischen Küche geholt.

    Was Leser und Leserinnen noch lernen: Die Definition einer Suppe ist variabel und kann einmal ein Eintopf, dann wieder Püree oder kalt auch ein Dip für Gemüse sein. Ungewöhnlich sind die vielen süßen Suppen – in Österreich wäre das Pendant also entweder Kompott oder Brei. Allerdings sind so exotische Kombinationen wie "Cremige Süßkartoffel mit Kakao oder "Birne mit Sonnenblumenkernen" in unseren Breiten eher unbekannt und insofern für gaumentechnische Abenteurer eine Option. Ein Rezept wie Vanille-Pistazien-Hafer ist ein gutes Frühstück für alle, die glutenfrei essen.

    Und noch ein Argument spricht für Suppen: Sie lassen sich gut vorbereiten. Wer hungrig nach Hause kommt, braucht sie einfach nur aufzuwärmen. (Karin Pollack, 1.7.2017)

    Nicole Centeno: "Suppen Detox. Das Kochbuch"
    Börsenmedien, 2017
    223 Seiten, € 25,70

    4
    Share if you care.