Millionenschaden bei drei Cyberangriffszielen in Österreich

    29. Juni 2017, 13:08
    152 Postings

    Weltweit haben Unternehmen mit Folgen zu kämpfen – Software tarnte sich als Erpressertrojaner, löschte aber Daten

    Weltweit agierende Unternehmen haben nach wie vor mit den Folgen des massiven Cyberangriffs von Dienstag zu kämpfen. Dem Bundeskriminalamt (BK) wurden bisher drei Fälle von in Österreich betroffenen Firmen gemeldet. Der Schaden geht in die Millionen, hieß es am Donnerstag. Bei der Schadsoftware handelt es sich um eine Abwandlung der bekannten Ransomware "Petya", berichtete das BK.

    Sicherheitslücken

    Die Malware kann sich über mehrere Wege in Netzwerken ausbreiten und verschlüsselt Dateien auf infizierten Rechnern. Dann wird automatisch ein Neustart durchgeführt, wobei das Betriebssystem dann nicht mehr korrekt hochfährt. Auf dem Bildschirm erscheint nur noch die Information, dass der Computer infiziert ist und wie das Lösegeld überwiesen werden soll. Für die Verbreitung werden teilweise Sicherheitslücken genutzt, die auch schon bei der Ransomware "Wanna Cry" ausgenutzt wurden, berichtete das BK.

    Bei den geschädigten Unternehmen in Österreich handelt es sich um drei international agierende Firmen mit Niederlassungen beziehungsweise Standorten in Wien. Eine Entschlüsselung dieser Ransomware-Art ist derzeit nicht möglich, betonten die Kriminalisten. Das BK riet Betroffenen erneut dringend davon ab, Lösegeld zu zahlen.

    Unternehmen und Behörden befallen

    Die Schadsoftware hatte am Dienstag dutzende Unternehmen und Behörden in der Ukraine befallen und erfasste dann auch Firmen in Europa und den USA. Betroffen waren unter anderem der Nivea-Hersteller Beiersdorf, der US-Pharmakonzern Merck und der französische Glashersteller Saint-Gobain. Beim US-Logistikriesen Fed Ex war der weltweite Betrieb der Tochter TNT Express gestört. Der finanzielle Schaden könne "erheblich" sein, warnte Fed Ex am späten Mittwoch.

    Bei der Reedereigruppe Maersk blieben Terminals in mehreren Häfen lahmgelegt. Die Maersk-Line-Reederei könne auch keine neuen Aufträge annehmen, weil das entsprechende Portal betroffen sei, sagte Manager Vincent Clerc dem Finanzdienst Bloomberg.

    Nach Vermutungen ukrainischer Behörden und einiger IT-Sicherheitsexperten wurde die Attacke über ein manipuliertes Update einer Buchhaltungssoftware aus der Ukraine gestartet. Am Mittwoch stellten Experten durch eine Analyse des Software-Codes fest, dass sich das Angriffs-Programm nur als Erpressungstrojaner tarnte, aber in Wirklichkeit Daten löschte, statt sie zu verschlüsseln.

    Nicht am Geldverdienen interessiert

    Bei Erpressungssoftware wird üblicherweise der Inhalt der Festplatte verschlüsselt, um Lösegeld für eine Freischaltung zu verlangen. Die Angreifer von Dienstag scheinen aber nicht am Geldverdienen interessiert gewesen zu sein. Bis Donnerstag gingen bei ihnen nur 45 Zahlungen ein. (APA, 29.6. 2017)

    • Artikelbild
      foto: apa
    Share if you care.