Unesco-Weltkulturerbe: Wien wird auf Roter Liste landen

29. Juni 2017, 14:36
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Offizielle Entscheidung wegen Causa Heumarkt wird für 5. oder 6. Juli erwartet

Krakau/Wien – Für das Unesco-Weltkulturerbe Wiens wird es spannend: Ab 2. Juli findet im polnischen Krakau die jährliche Tagung des Welterbekomitees statt. Der öffentlich zugängliche Beschlussentwurf der Unesco sieht wegen des umstrittenen Heumarkt-Projekts samt 66-Meter-Luxuswohnturm eine Eintragung der Welterbestätte Wien in die Rote Liste vor. Die Unesco "ist der Auffassung, dass die aktuellen Planungen beträchtliche und spezifische Bedrohungen für den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätte" bedeuten, heißt es im aktuellen Entwurf. Die Unesco "beschließt, das Historische Zentrum von Wien (Österreich) auf die Liste gefährdeter Welterbestätten zu setzen".

55 Stätten auf Roter Liste

Die offizielle Entscheidung soll laut der österreichischen Unesco-Kommission am 5. oder 6. Juli getroffen werden. Die Aufnahme in die Rote Liste gilt als Vorstufe zu einer möglichen Aberkennung der Weltkulturerbe-Auszeichnung. Auf dieser Liste befinden sich aktuell 55 Stätten: Einige davon werden bereits seit Jahrzehnten als gefährdet eingestuft, ohne das Unesco-Prädikat zu verlieren. Die Altstadt und die Stadtmauer von Jerusalem sind seit 1982 auf der Roten Liste, die Ruinenstadt Chan Chan in Peru seit 1986.

Die Unesco stößt sich vor allem an der Höhe und am Volumen des geplanten Heumarkt-Turms in der Welterbe-Kernzone. Erlaubt wurden nur rund 44 Meter. Auch das bisherige Hotel Intercontinental soll abgerissen und leicht erhöht wiedererrichtet werden.

Wien seit 2001 Unesco-Welterbe

Zudem seien im von der Unesco ausgezeichneten historischen Zentrum von Wien weitere "Zonen offensiver städtebaulicher Erneuerung" möglich, wie die österreichische Unesco-Kommission schreibt. Die von der Stadt Wien zuletzt beschlossene Absichtserklärung, keine weiteren Hochhausbauten im Zentrum mehr zuzulassen, "reicht nicht als langfristige, gesetzliche Grundlage, um glaubwürdig die Welterbestätte zu schützen".

Das historische Zentrum von Wien wurde 2001 auf Antrag der Republik als Welterbestätte aufgenommen. Die Kernzone umfasst 0,9 Prozent des Stadtgebiets, mit der Pufferzone etwa zwei Prozent. (David Krutzler, 29.6.2017)

  • Der 66-Meter-Bau ist nach erfolgter Umwidmung im Wiener Gemeinderat auf Schiene.
    foto: apa/isay weinfeld&sebastian murr

    Der 66-Meter-Bau ist nach erfolgter Umwidmung im Wiener Gemeinderat auf Schiene.

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