Studie befürchtet Milliarden Flüchtlinge durch steigenden Meeresspiegel

3. Juli 2017, 07:00
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US-Forscher mahnen Landnutzungskonzepte für den Fall großer Bevölkerungsverschiebungen ein

Ithaca – Es ist ein Worst-Case-Szenario, das Forscher der privaten Cornell University diese Woche im Fachmagazin "Land Use Policy" vorgelegt haben, und so liest es sich auch. Bis zum Jahr 2060 könnte ein von der Klimaerwärmung verursachter Anstieg des Meeresspiegels an die 1,4 Milliarden Menschen aus den heutigen Küstenzonen zu Klimaflüchtlingen gemacht haben. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten aus diesem Grund bereits zwei Milliarden Menschen auf der Flucht sein.

Diese Zahlen errechnete ein Team um den Soziologen Charles Geisler aus den Trends der Gegenwart. Die Weltbevölkerung würde demzufolge bis zur Jahrhundertmitte auf neun Milliarden und bis zum Jahr 2100 auf elf Milliarden Menschen ansteigen. Dementsprechend höher wäre auch der Bedarf nach landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, die jedoch durch das Vordringen des Ozeans in Küstengebiete und Flussdeltas schrumpfen würde. Zudem sei eine Zunahme an Hurrikans und anderen Wetterextremen zu befürchten, die das Meer gewissermaßen zusätzlich weiter landeinwärts tragen werden.

Vorbereitungen sind möglich und notwendig

Die Forscher wollen sich aber nicht auf die – notwendige, wenn auch von vielen nicht mehr gerne gehörte – Mahnung beschränken, dass der Ausstoß aus Treibhausgasen stark reduziert werden muss, um den Klimawandel zu bremsen. Geisler weist auch darauf hin, dass es bislang nur wenige Konzepte gibt, die in Zukunft zu erwartenden Bevölkerungsbewegungen in geordnete Bahnen zu lenken.

Als positives Beispiel nennt die Studie Florida, den US-Bundesstaat mit der zweitlängsten Küstenlinie. In Florida gebe es mit dem Comprehensive Planning Act ein Konzept für den Umgang mit einem möglichen Exodus aus den Küstengebieten. Die regionalen und lokalen Bestimmungen zur Landnutzung an der Küste und im Landesinneren wurden aufeinander für den Fall abgestimmt, dass sich die Bevölkerung des Staats stark verschiebt.

Ohne solche Vorbereitungen seien Konflikte um die Nutzung von immer weniger Land für immer mehr Menschen unvermeidbar, bilanziert die Studie. (red, 3. 7. 2017)

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