Team Stronach: Kein Geld, keine Wähler, keine Tränen

28. Juni 2017, 16:43
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Mehr als 20 Millionen investierte Frank Stronach in seine Partei. Erfolge sucht man vergebens, und die Wähler sind längst weg

Wien – Normalerweise können Klubchefs einen mit den Verdiensten der eigenen Partei zuschwallen. Nicht so Robert Lugar am Tag, nachdem er das Ende des Team Stronach bekanntgeben musste. Die größten Erfolge seiner auf sechs Köpfe zusammengeschrumpften Truppe? Nachdenkpause, dann: "Die Schulautonomie", die sein Klub lange vor dem Beschluss gefordert habe – und ja, der kompromisslose Kurs "in der Flüchtlingsfrage", dass man angesichts des Andrangs die Genfer Konvention überdenken solle. Für die dürftigen Ergebnisse seiner Partei hat Lugar folgende Erklärung parat: "Das geht allen Oppositionsparteien so!"

Auch die eigenen Pläne sind schnell erzählt. "Ich kann nichts sagen, außer dass ich gern Abgeordneter bleiben würde." Nein, derzeit gäbe es kein Angebot von einer anderen Partei – und falls er mit eigener Liste kandidiere, wisse er noch nicht, ob er die dafür nötigen Unterstützungserklärungen beim Wahlvolk sammelt oder auf Unterschriften von zwei weiteren Abgeordneten zugreift.

"Berufskiller"

Mehr als zwanzig Millionen hat der Austrokanadier Frank Stronach, Gründer von Magna, seit 2012 in seine Partei investiert; allein in die Wahlschlacht für die Nationalratswahl 2013 warf er 13,5 Millionen – viel zu viel, sodass später wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Obergrenze von sieben Millionen auch noch eine Geldbuße von 567.000 Euro fällig wurde. Doch ein Team wurden seine politischen Vertreter nie, ehe der Milliardär ihnen ein für alle Mal den Geldhahn zudrehte.

Denn schon zu Beginn setzte Stronach, dabei von Lugar unterstützt, auf Fraktionslose, ehemalige BZÖler und einen SPÖ-Mann, damit er einen Parlamentsklub gründen konnte. Mit seinen Schimpftiraden auf "das Systäm" konnte der Ausgewanderte anfangs herzeigbare Erfolge erzielen. Doch beim bundesweiten Urnengang vor vier Jahren stieß der beratungsresistente, zornige alte Mann, der auf einer Wahlfahrt mit ORF-Mann Hanno Settele gar "eine Todesstrafe" für "Berufskiller" forderte, dann nur von 5,7 Prozent Zuspruch. Fazit: Elf Mandatare zogen ins Parlament ein, der enttäuschte Stronach ließ sich dort aber nur zweimal blicken.

Zerwürfnisse und Abspaltungen

Aufhorchen ließ seine bunt zusammengewürfelte Truppe vor allem mit Zerwürfnissen und Abspaltungen in den Ländern – oder mit Überläufern vor allem zur ÖVP im Nationalrat, darunter sogar seine bis dahin enge Vertraute Kathrin Nachbaur.

Dazwischen absolvierte der heute 84-Jährige weiterhin skurrile Fernsehauftritte, unvergessen etwa seine Aussage, dass "Frauen Menschen sind wie wir".

Lugar, vorher bei FPÖ, BZÖ und als wilder Mandatar tätig, wurde als Klubobmann ausgetauscht und wiedereingesetzt – und auch Stronachs Statthalter im Hohen Haus sorgte immer wieder für Wirbel. Etwa mit chaotischen Pfeffersprayverteilaktionen für die weibliche Bevölkerung oder seinem Bekenntnis mitten in der Asylkrise, sich eine Glock-Pistole zu besorgen. Dann war da noch Marcus Franz, später bei der ÖVP, nun fraktionslos, der mit bedenklichen Tweets über Frauen und Homosexuelle negativ auffiel.

Die Konkursmasse in den Ländern ist überschaubar. Im Salzburger Landtag ist Helmut Naderer als Klubchef, Abgeordneter und Landeschef. Oder Niederösterreich: Dort sitzt Ex-Wahlkampfleiter Tillmann Fuchs als Parteifreier – dank eines Team-Stronach-Tickets – in der Landesregierung.

"Ventilfunktion für die Enttäuschten"

Es lag schon an der "seltsamen Art, eine Partei als Milliardärshobby" zu gründen, analysiert Politologe Peter Filzmaier. Nur kurz sei es gelungen, die "Ventilfunktion für die Enttäuschten" zu übernehmen, sagt er: "Irgendwann muss man ein inhaltliches Fundament liefern. Das ist nicht gelungen." Der Absturz setzte früh ein: "Schon im Jahr 2014 ist das Team Stronach in Umfragen im kaum noch wahrnehmbaren Bereich gewesen" – und nie wieder rausgekommen. Die Wähler sind also schon lange weg.

Dass drei Unterschriften von Abgeordneten einen Antritt einer neuen Liste mit Lugar ermöglichen könnten, sieht Filzmaier gelassen: "Damit ist keine Liste mit Relevanz entstanden, sondern nur eine, die leicht zu gründen war." (Peter Mayr, Nina Weißensteiner, 29.6.2017)

  • Eine Partei als "Milliardärshobby": Voller Enthusiasmus startete Frank Stronach 2012 sein Politprojekt – als er bei der Nationalratswahl bloß auf 5,7 Prozent kam, soll der Austrokanadier die Freude an seinem Zeitvertreib verloren haben.
    foto: apa/jäger

    Eine Partei als "Milliardärshobby": Voller Enthusiasmus startete Frank Stronach 2012 sein Politprojekt – als er bei der Nationalratswahl bloß auf 5,7 Prozent kam, soll der Austrokanadier die Freude an seinem Zeitvertreib verloren haben.

  • Klubchef sucht Mandat: "Ich kann nichts sagen, außer dass ich gern Abgeordneter bleiben möchte", sagt Robert Lugar, nachdem seinem Team endgültig der Geldhahn zugedreht wurde.
    foto: apa/schlager

    Klubchef sucht Mandat: "Ich kann nichts sagen, außer dass ich gern Abgeordneter bleiben möchte", sagt Robert Lugar, nachdem seinem Team endgültig der Geldhahn zugedreht wurde.

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