Pro und Kontra: Eigene Liste Peter Pilz

Kommentar28. Juni 2017, 14:31
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Peter Pilz ist ein versierter Parlamentarier, er könnte den Wahlkampf bereichern – oder sein Lebenswerk zerstören

Pro: Gebt den Grünen Pfeffer!
von Michael Völker

Peter Pilz wird den Grünen fehlen. Er ist nicht nur ein äußerst konsequenter und erfolgreicher Aufdecker, er ist auch ein Marketinggenie und ein pointierter Redner, wie es von ihnen in den Reihen der Grünen nicht allzu viele gibt. Umgekehrt schaut es so aus, als ob die Grünen Pilz nicht allzu sehr fehlen werden.

Der 63-Jährige, der sich immer als Nachwuchshoffnung seiner Partei gesehen hat, könnte jetzt mit einer eigenen Liste zur Nationalratswahl antreten. Offenbar gibt es bereits konkrete Überlegungen. Das wäre ein spannendes Experiment, wenn es gelingt, neben den Grünen – und das wäre wohl links neben den Grünen – noch einen Platz zu besetzen. Gänzlich unspannend wäre es, wenn sich hier nur von der Partei enttäuschte und verbitterte Silberrücken zusammenrotten würden.

Wenn es aber gelänge, ein breiteres Spektrum abseits der Querulanten zu repräsentieren und spannende Persönlichkeiten auf einer Liste zusammenzuführen, dann hätte eine solche Kandidatur ihren Reiz und gute Chancen, Pilz tatsächlich zum Sprung in den Nationalrat zu verhelfen.

Eine Zuspitzung der Positionen durch eine Grün-affine Liste könnte auch den Grünen helfen, aus ihrer Selbstgefälligkeit zu erwachen und ihre Kanten nachzuziehen. Peter Pilz als Zugpferd im Kreise unternehmungslustiger und listiger Mitstreiter – das wäre für den Wahlkampf durchaus eine Bereicherung. Und für das Parlament auch. (Michael Völker, 28.6.2017)

Kontra: Hüte dich vor den Trollen!
von Nina Weißensteiner

Angesichts seiner Demontage durch die grünen Delegierten kann sich Peter Pilz über unzählige Aufrufe freuen, doch mit einer eigenen Liste anzutreten. Zu Recht – denn der Politveteran ist einer der versiertesten Parlamentarier, der es prächtig versteht, Freunderlwirtschaft und Korruption unter den Mächtigen anzuprangern, aber auch Schwächen und Widersprüchlichkeiten der eigenen Partei angesichts des politischen Islam.

Doch äußerste Vorsicht ist geboten. Denn das, was sich derzeit in den Onlineforen abspielt, klingt allzu verlockend: dass so viele angebliche Wähler der Grünen und auch anderer Couleur am 15. Oktober am liebsten ihr Kreuz bei Pilz machen würden. Aber in Wahlkampfzeiten sind nicht nur Trolle, sondern auch Poster anderer Parteien im Web unterwegs, die nur allzu gern eine grüne Spaltung herbeiführen möchten, um den Ökos und gleich auch dem Gottseibeiuns der Innenpolitik zu schaden. Durch genau diese brandbeschleunigende Energie glaubte unlängst die Führung der Jungen Grünen an ausreichend Rückhalt bei ihrem Aufstand gegen die Parteispitze. Der Ausgang ist bekannt – alle, wirklich alle, haben dabei nur verloren.

Das sollte Pilz bedenken, bevor er mit anderen Zornigen ein Wahlbündnis schmiedet, denn auch ein ansehnliches Lebenswerk ist schnell ruiniert. So aber bliebe er der kompromisslose Enthüller, der im Nationalrat oft konstruktive Reformen umgesetzt hat – so zuletzt die U-Ausschüsse. (Nina Weißensteiner, 28.6.2017)

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