Forscher warnen vor Risiken der Prostatakrebs-Früherkennung

    28. Juni 2017, 13:29
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    Vorsorgeuntersuchungen können laut Tiroler Privat-Uni zu Überdiagnose und Übertherapie klinisch unbedeutender Tumore führen

    Forscher haben in einer Simulationsstudie den Nutzen und die Risiken von Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs beleuchtet. Sie kamen dabei zum Schluss, dass ein wesentliches Risiko der Prostatakarzinomfrüherkennung in der Überdiagnose und Übertherapie von klinisch unbedeutenden Tumoren bestehe, teilte die Tiroler Privatuniversität UMIT kürzlich mit.

    "Wie die meisten medizinischen Verfahren können Früherkennungsuntersuchungen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich bringen", erklärt Uwe Siebert von der Tiroler Health and Life Sciences Universität (UMIT), der gemeinsam mit Forschern des Oncotyrol-Zentrums, der Med-Uni Innsbruck und der Universität Toronto die Studie durchführte. Derzeit existiere noch keine zuverlässige Methode, um klinisch unbedeutende von klinisch relevanten Tumoren zu unterscheiden.

    Infolgedessen könne es vorkommen, dass auch klinisch unbedeutende Tumoren behandelt werden, was die betroffenen Patienten unnötigen und nicht seltenen Langzeitkomplikationen wie Impotenz, Inkontinenz und Darmbeschwerden aussetzten könne. Die Früherkennungsuntersuchungen verringern laut der Studie zwar das Risiko an Prostatakrebs zu sterben, bei Männern mit einem durchschnittlichen Risiko an Prostatakrebs zu erkranken könne der Gesamtschaden jedoch überwiegen. Männer mit einem erhöhten familiären Prostatakarzinomrisiko würden von der Früherkennung aber jedenfalls profitieren.

    Dilemma Überdiagnose

    Nach Schätzungen der Studie würden bei Männern mit normalem Risiko acht von zehn durch die Früherkennungsuntersuchung entdeckte Tumoren zu Lebzeiten keine Beschwerden verursachen. Bei Männern mit erhöhtem Risiko liege das Verhältnis jedoch bei sechs zu zehn. "Das Dilemma ist, dass man unmöglich vorhersagen kann, ob es sich bei einer Tumordiagnose um einen Fall von Überdiagnose handelt oder nicht", meint Projektkoordinator Nikolai Mühlberger.

    Die Forscher untersuchten daher auch den Ansatz der sogenannten "aktiven Beobachtung" bei der entdeckte Tumoren zunächst nur beobachtet werden. Dabei konnte jedoch gezeigt werden, dass aktive Beobachtung auch zu einer Verschlechterung des Nutzens der Früherkennung beitragen könne. Demzufolge erfordere auch aktive Beobachtung ein risikoadaptiertes Vorgehen und eine sorgfältige Wahl der Kriterien für den Behandlungsbeginn, so die Wissenschafter. (APA, 28.6.2017)

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