Vor 20 Jahren: Holyfield vs. Tyson, ein Ohrenschmaus

Video28. Juni 2017, 08:39
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Mit einem Biss sorgte Mike Tyson am 28. Juni 1997 für einen der größten Skandale in der Geschichte des Profiboxens

Las Vegas/Berlin – Mike Tyson schäumt vor Wut. Es läuft die dritte Runde in diesem mit Spannung erwarteten Fight gegen Evander Holyfield, und der in die Jahre gekommene Ex-Champ findet partout kein Mittel. Ständig setzt ihm sein Kontrahent zu. Schließlich verliert "Iron Mike" die Nerven, beißt Holyfield ein 1,5 Zentimeter langes Stück aus dem Ohr. Ein ungeheuerlicher Vorgang – 16.331 Zuschauer im MGM Grand Hotel von Las Vegas sind entsetzt.

Holyfield schreit vor Schmerz und zeigt immer wieder empört auf sein blutendes Ohr. Ringrichter Mills Lane beruhigt die Gemüter, lässt die Runde zu Ende boxen und disqualifiziert den Ohr-Beißer. "Er hat das mit voller Absicht getan, ich war sicher, dass mein Ohr ab ist", sagte Holyfield später über die einzigartige Attacke, die sich am Mittwoch zum 20. Mal jährt.

Längst versöhnt

Für Tyson kommt es knüppeldick. Der nach eigenen Worten "Baddest Man of the Planet" wird für ein Jahr gesperrt. Der brutale Pitbull aus den späten 1980-er Jahren hatte längst nicht mehr die Schnelligkeit und Schlagstärke. Zwei Tage vor seinem 31. Geburtstag steht der nur 1.80 m große Schläger am Anfang vom Ende seiner Karriere. Er wird nie mehr Weltmeister. 2002 bekommt er noch eine letzte WM-Chance, geht gegen Lennox Lewis aber in der achten Runde K.o.

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Man kämpft: Tyson greift zu unerlaubten Mitteln.
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Man erinnert sich: Evander Holyfield beschreibt die unglaubliche Szene.
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Man scherzt: Mike Tyson bringt seinem Gegner das Ohr zurück.

Mittlerweile haben sich die einstigen Erzrivalen Tyson und Holyfield versöhnt. Bei einem gemeinsamen Auftritt in der "Oprah Winfrey Show" meinte der damalige Herausforderer vor einigen Jahren über Holyfield: "Ich will der Welt sagen, dass er ein wundervoller Junge ist. Es ist eine Freude, mit ihm bekannt zu sein."

Populärer Boxer, schiefe Bahn

Trotz des unwürdigen Karriereendes gilt Tyson hinter Muhammad Ali weltweit als zweitpopulärster Boxer. Seine Anfangsjahre waren grandios. Das Raubein aus Brooklyn/New York verprügelte seine Gegner nach Belieben und wurde mit 20 Jahren zum jüngsten Weltmeister im Schwergewicht.

Sein Privatleben bekam der "Bad Boy" allerdings nie in den Griff. Schon als junger Teenager geriet er auf die schiefe Bahn. Später wird er wegen Vergewaltigung, Körperverletzung und Drogenbesitzes verurteilt und muss ins Gefängnis. 500 Millionen US-Dollar soll er verprasst haben, "2003 war ich pleite", sagte Tyson einmal.

Charismatischer Bühnenmann

Umso erstaunlicher ist die Entwicklung in den letzten Jahren des heute 50-Jährigen. Tyson machte als charismatischer Bühnenmann in der Kulturszene von sich reden. Der einstige K.o.-Schläger ging in den USA mit dem Ein-Personen-Stück "The Undisputed Truth" aus der Feder von Spike Lee über seine eigene Biographie auf Tournee und feierte nicht nur am Broadway große Erfolge.

Derzeit veröffentlicht er sein zweites Buch "Iron Ambition". Darin geht es um seinen ersten Trainer und Ersatzvater Cus D'Amato. Ihm hatte der junge Rebell den Sprung ins Profigeschäft zu verdanken. 1985, noch ein Jahr vor seinem ersten WM-Triumph, verstarb der wichtige Förderer. Vielleicht wäre Tyson mit D'Amato an seiner Seite der ein oder andere Skandal in seiner Karriere erspart geblieben – auch der Ohrbiss von Las Vegas. (sid, 28.6.2017)

  • Mike Tyson beißt zu.
    foto: apa/epa

    Mike Tyson beißt zu.

  • Der Schmerz fährt Evander Holyfield in die Glieder.
    foto: apa/afp/haynes

    Der Schmerz fährt Evander Holyfield in die Glieder.

  • Evander Holyfield nach dem Kampf, etwas angeknabbert.
    foto: apa/epa

    Evander Holyfield nach dem Kampf, etwas angeknabbert.

  • Das offizielle Plakat zum Kampf.
    foto: wikipedia

    Das offizielle Plakat zum Kampf.

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