Nach Party, Sex und Waffen: Hamburg schickt Berliner Polizisten heim

27. Juni 2017, 21:08
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Öffentlich uriniert und Geschlechtsverkehr im Freien – Berliner Polizei veröffentlicht Statement auf Facebook

Berlin – Wegen skandalösen Benehmens sind mehr als 220 Berliner Polizisten, die wegen des bevorstehenden G20-Gipfels in Hamburg waren, zurückgeschickt worden. In der Unterkunft auf einem Kasernengelände in Bad Segeberg nordöstlich von Hamburg habe eine Minderheit der Berliner Beamten ein "unangemessenes und inakzeptables Verhalten" gezeigt, teilte ein Sprecher der Hamburger Polizei mit. Die Berliner Polizisten, die noch nicht zum Einsatz in Hamburg gekommen waren, seien mit "sofortiger Wirkung" daraus entlassen worden, sagte der Sprecher. Die "Berliner Zeitung" hatte zuvor darüber berichtet.

Die jungen Polizisten sollen in ihren Containerunterkünften exzessiv gefeiert und sich daneben benommen haben. Zwei sollen auf dem Gelände in der Öffentlichkeit Sex gehabt haben, eine Polizistin soll im Bademantel mit einer Dienstwaffe hantiert haben, die Männer sollen – in einer Reihe stehend – in der Öffentlichkeit uriniert haben.

Der Sprecher der Berliner Polizei, Thomas Neuendorf, sagte: "Es ist einfach nur peinlich, wie sich die Kollegen dort verhalten haben." Wie viele Polizisten an den Exzessen beteiligt waren, stand bis Dienstagabend nicht fest. Laut einer Facebook veröffentlichten Mitteilung des Social-Media-Teams der Polizei Berlin ging es um drei Kollegen:

"Nicht akzeptabel"

Die Berliner Polizisten waren am Sonntagabend in der Lettow-Vorbeck-Kaserne angekommen und wurden am Montag bereits wieder nach Hause geschickt. Mit der sofortigen Entlassung habe man deutlich gemacht, dass ein solches Verhalten "nicht akzeptabel" sei, teilte der Sprecher der Hamburger Polizei mit. Die Berliner Polizei werde weitere Untersuchungen einleiten.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte: "Polizeibeamte haben eine Vorbildfunktion – das gilt in Berlin genauso wie in anderen Städten." Die Arbeit der Berliner Polizei dürfe durch solche Vorfälle keinen Schaden nehmen.

Auch Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt bedauerte das Verhalten von einigen seiner Polizisten. Er nahm sie jedoch teils auch gegen die harte Kritik in Schutz. Es hätten Kollegen in ihrer Freizeit auf einem abgeschlossenen Gelände gefeiert, sagte Kandt in der Rbb-"Abendschau". Der gesamte Vorfall werde aufgeklärt. Dazu warte man auf die Informationen aus Hamburg. Nächste Woche werde er erneut fünf Hundertschaften zur Unterstützung der Hamburger beim G20-Gipfel schicken. In einem späteren Rbb-"Spezial" zu dem Thema sprach Kandt von "misslichem und grenzüberschreitendem Verhalten" der Polizisten: "Ich gehe davon aus, am Ende wird es Konsequenzen geben." Da es sich wohl nicht um Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten handle, kämen Disziplinarmaßnahmen infrage. Doch er wolle der Aufklärung nicht vorgreifen.

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer äußerte sein Bedauern über die Vorfälle. Er sagte aber auch: "Aber das kommt für uns natürlich zum rechten Zeitpunkt, noch weit vor dem Gipfel. Jeder weiß jetzt, die Hamburger Polizei fackelt nicht lange und schickt Einsatzkräfte wieder zurück."

Insgesamt sollen 1.000 Polizisten aus Berlin die Kollegen in Hamburg unterstützen, aber nicht alle gleichzeitig. (APA, 27.6.2017)

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