Alteingesessene Firmen wollen Innovationen nicht Start-ups überlassen

27. Juni 2017, 14:24
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Weg von Denken "das machen wir immer so, warum sollen wir es verändern"

Alteingesessene Firmen wie die Casinos Austria, Erste Bank oder der oberösterreichische Fahrzeuglogistiker Hödlmayr wollen Innovationen nicht den Start-ups überlassen, sondern etablieren eigene "Innovation Hubs". Ein großer Fehler gestandener Unternehmer sei das Denken, "das machen wir immer so, warum sollen wir es verändern", sagte Firmenchef Johannes Hödlmayr am Dienstag bei einer Diskussion.

"Veränderung ist die einzige Konstante"

Frei nach dem Heraklit-Zitat "Veränderung ist die einzige Konstante" plädierten die Vorstände großer Unternehmen für mehr Mut zur Veränderung. "Der Innovationsdruck ist heute höher denn je zuvor", so Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria. Innovation finde nicht nur im Silicon Valley und bei Internet-Start-ups statt.

War der Bereich Innovation bei den Casinos Austria früher ein Teil der IT, sei er seit eineinhalb Jahren direkt unter dem Gesamtvorstand angesiedelt. Der Glücksspielkonzern lädt donnerstags zum "Crazy Thursday" ein, wo Mitarbeiter ihre Ideen präsentieren können, "egal wie verrückt oder utopisch sie sind", meinte Casinos-Vorstandsdirektorin Bettina Glatz-Kremsner. Freilich seien einem auch rechtliche oder finanzielle Grenzen gesetzt, räumte sie ein.

Mehr als 7.000 Vorschläge

Bei Hödlmayr heißt das Innovationslabor "Move". Mehr als 7.000 Vorschläge, die hier erarbeitet wurden, seien auch tatsächlich umgesetzt worden, erzählte Firmenchef Hödlmayr. Wichtig im Rahmen solcher Projekte sei, Hierarchien zu vergessen. Der Fahrzeuglogistiker müsse sich gerade dem "Megathema" autonomes Fahren stellen. Hier müsse man jetzt schon vorbauen und Ideen entwickeln, wenn der Lkw in einigen Jahren alleine fährt, sagte Hödlmayr. "Was macht dann der Lkw-Fahrer?"

Die Erste Bank habe mit dem Umzug in den Erste Campus am Wiener Hauptbahnhof vor über einem Jahr eine neue Ära eingeläutet, so Privatkundenvorstand Thomas Schaufler. Statt an 14 verschiedenen Standorten sei man nun an einem. Bis auf eine Ausnahme gebe es keine Einzelbüros mehr, im Grunde auch keine zugewiesenen Arbeitsplätze. In den vergangenen Jahren hat sich das Bankgeschäft stark verändert. "Wir waren ein stationärer Betrieb, das funktioniert heute nicht mehr", so Schaufler. Immer mehr Filialen sperren zu, gleichzeitig wird das Online-Angebot ausgebaut. Die Erste-Onlinebanking-Plattform "George" habe inzwischen über 1 Million Kunden.

"Internet der Dinge"

Der Handynetzbetreiber "3" hat kürzlich einen Wettbewerb gestartet, um die besten Ideen zum Thema "Internet der Dinge" zu finden. "Wir müssen Wege finden, es auf die Straße zu bringen", sagte "3"-Chef Jan Trionow.

Doch ganz ohne Start-ups kommen die großen Betriebe auch nicht aus. Vielfach arbeiten sie mit ihnen zusammen, um Nischen abzudecken oder Leistungen auszulagern. Die Erste Bank etwa habe "sehr intensive Kontakte mit sehr vielen Start-ups", sagte Schaufler. Auch für "3" seien Start-ups wichtig. Hödlmayr und Glatz-Kremsner forderten eine "Kultur des Scheiterns" ein. Fehler gehörten dazu, um Neues hervorzubringen. (APA, 27.6. 2017)

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    foto: afp
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