Rothensteiner: Kein einfaches Jahr für Raiffeisen Bankengruppe

27. Juni 2017, 13:46
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Niedrige Zinsen und geringere Produktivität belasteten das Ergbnis. Filialschließungen und Mitarbeiterabbau gehen weiter

Wien – Für die österreichische Raiffeisen Bankengruppe (RBG) war das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 aufgrund des wirtschaftlichen Umfeldes und der steigenden regulatorischen Vorgaben kein einfaches Jahr, sagte deren Sprecher, Ex-RZB-Chef Walter Rothensteiner, am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Niedrige Zinsen und tendenziell geringere Produktivität hätten auf das Ergebnis gedrückt.

Das Universalbankenmodell funktioniere aber nach wie vor sehr gut, so Rothensteiner. Auch Stabilität sei nach wie vor ein Thema, "zu dem wir stehen und das wir auch zeigen können".

Die Bilanzsumme der Raiffeisen Bankengruppe verharrte 2016 bei rund 280 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis ging um 19 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zurück, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg um 8 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote erhöhte sich von 9,26 auf 10,18 Prozent. Bei den Kundenkrediten gab es ein leichtes Wachstum auf 187 Milliarden Euro. Die Gruppe beschäftigte in Österreich unverändert 24.234 Mitarbeiter, weltweit waren es 71.406. Die Zahl der Bankstellen ging in Österreich um 178 bzw. rund 8 Prozent auf 1.946 zurück, weltweit waren es 4.482, ein Minus von 5,6 Prozent.

Weitere Schließungen

"Es wird noch weitere Schließungen geben", sagte Rothensteiner. Auch der Personalabbau werde weitergehen. Dafür gebe es aber keinen Gesamtplan. Jede Bank müsse selbst entscheiden, wieviele Mitarbeiter sie brauche.

Nach dem Merger der RZB und der RBI und damit dem Wegfall der RZB als Zentralinstitut werde man über den Sommer die Zusammenarbeit der einzelnen Raiffeisen Landesbanken neu definieren. "Die RBI wird nicht mehr den Sektor steuern", betonte Rothensteiner. Es werde keine Zentrale, sondern entsprechende Verwaltungsstrukturen geben. Er bevorzuge eine Genossenschaft, die aber keine Bankenlizenz haben werde. Zudem gebe es im Sektor noch genügend Möglichkeiten, Geld einzusparen.

Langsamer Rückzug

Nach seinem Ausscheiden als RZB-Chef im März hat Rothensteiner in der Vorwoche auch plangemäß den Vorsitz im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank International (RBI) zurückgelegt. Heute, bei seinem 23. Auftritt im Klub der Wirtschaftspublizisten, zog der 64-Jährige Ex-Banker und Generalanwalt des Raiffeisenverbandes aus diesem Anlass auch eine kurze persönliche Bilanz über die Zeit, die er in der Raiffeisen Bankengruppe verbracht hatte.

"In diesen 22 Jahren sind wir von einer mittelständischen österreichischen Bank zu einem internationalen Bankpartner geworden", sagte Rothensteiner. Die Bilanzsumme der RBG sei von damals 64 auf heute 280 Milliarden Euro gestiegen, die Zahl der Mitarbeiter habe sich von 2.000 auf 70.000 erhöht, die Zahl der Kunden sei auf 14 Millionen gestiegen. Und Dank des früheren RBI-Chefs Herbert Stepic sei Raiffeisen auch die erste westliche Bank in Osteuropa gewesen. Heute sei Raiffeisen die größte Bankengruppe des Landes.

"Das Leben geht weiter", so Rothensteiner zu seiner persönlichen Zukunft. Da er in der Bank für Beteiligungen zuständig war, werde er "weiter in einigen Firmen herumsitzen". Mit der Zeit werde die eine oder andere Funktion aufhören, "was mir nicht unrecht ist, denn man muss nicht immer auf 100 Prozent unterwegs sein". Er habe noch zehn Aufsichtsratsfunktionen. Die Nachfolge von Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny strebt Rothensteiner nicht an. (APA, 27.6.2017)

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    foto: apa/hans klaus techt
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