Ex-Siemens-Chefin Ederer: Kenne keine schwarzen Kassen

27. Juni 2017, 11:52
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Ex-Siemens-Österreich-Chefin Ederer über Whistleblower und Korruption

Wien – Als Ex-Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer am Dienstag im Straflandesgericht die Aufklärungsarbeit der US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton und Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche im Schmiergeldskandal schilderte, war rasch klar: Das Verhältnis zwischen Stammhaus in München und der in internen Rankings stets als "Ertragsperle" gefeierten Österreich-Tochter war 2006 von Misstrauen geprägt: "Die amerikanischen Anwälte wollten, dass an jedem Marterpfahl drei hängen – zur Abschreckung."

Ihr habe der für Compliance zuständige Vorstand vorgeworfen, "dass ich Whistleblowing behindere", sagte Ederer als Zeugin im Korruptionsprozess, bei dem es um 17 Millionen Euro geht, die zwei Angeklagte aus dem Konzern geschleust haben sollen. "Es gab aus der Österreich-Einheit keinen einzigen Whistleblower." Dabei wäre es gar nicht möglich gewesen, mehr als 8000 Mitarbeiter daran zu hindern, Aufklärern anonyme Hinweise zu geben. Als Österreich-Chefin habe sie 40 Prozent ihrer Zeit dafür aufgewendet, in München die Kompetenzen in Österreich zu erklären.

Anruf aus dem Stammhaus

Von "schwarzen Kassen" im Kerngeschäft Information und Communication (" Com") von Siemens Österreich, aus denen Berater teils ohne Gegenleistung bezahlt wurden, will die für Medizintechnik und Industriegeschäft zuständige Vorstandsdirektorin der Siemens AG Österreich (Saggö) erst durch einen Anruf aus dem Stammhaus erfahren haben, in dem Untersuchungen angekündigt wurden. Sie könne sich nicht erklären, wie es möglich war, solche in Deutschland einzurichten. "Wenn man einen Bleistift bestellte, musste man das einreichen", schilderte die frühere Wiener Finanzstadträtin die Siemens-Bürokratie. Auch seien die Wirtschaftsprüfer das ganze Jahr über im Haus gewesen, hätten jede Rechnung geprüft und genehmigt.

"Waren 17 Millionen Euro Aufwendungen für 'Business Consulting' viel?", wollte Richterin Claudia Moravec-Loidolt wissen. "Das kann ich nicht sagen, ich weiß die Ergebnisse von damals nicht mehr." Aber der Einsatz von Beratern sei auf den von Österreich verantworteten Märkten in Ost- und Südosteuropa nicht ungewöhnlich gewesen. "Wenn wir einen Auftrag gewonnen haben, war das sowieso okay, dass Marktbearbeitung gemacht und bezahlt wurde." Aber tiefen Einblick in die lange Jahre sehr erfolgreiche Telekomsparte Com habe sie nie gehabt. Deren Ebit-Beiträge waren viel höher als in der Industrie.

Den Erstangeklagten H. W., ehemals kaufmännischer Leiter Com und ab 2005 Finanzvorstand, belastete Ederer nicht. "Ich hätte für ihn die Hand ins Feuer gelegt. (ung, 27.6.2017)

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