"Spiegel": Orbán würdigt Hitler-Verbündeten Horthy

26. Juni 2017, 18:21
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Ungarns Premier bekräftigt trotz Kritik positive Einschätzung des antisemitischen Reichsverwesers

Budapest – Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat den früheren ungarischen Reichsverweser und Hitler-Verbündten Miklós Horthy (1868–1954) einen "Ausnahmestaatsmann" genannt. Trotz heftiger Kritik in Ungarn und im Ausland bekräftigte Orbán vor kurzem ausdrücklich, dass er an seiner positiven Einschätzung Horthys festhalte, berichtete "Spiegel online" am Montag.

Horthy, Ungarns autoritäres Staatsoberhaupt der Zwischenkriegszeit, war ein erklärter Antisemit und lange Zeit treuer Verbündeter Adolf Hitlers. Er unterzeichnete zahlreiche spezifisch antijüdische Gesetze und war mitverantwortlich für die Deportation von rund 600.000 ungarischen Juden in deutsche Vernichtungslager.

Der Premier machte die Bemerkung über Horthy Mitte vergangener Woche bei der feierlichen Übergabe eines renovierten historischen Gebäudes in Budapest. In einer Rede würdigte er die Verdienste Horthys und anderer ungarischer Politiker der Zwischenkriegszeit um den Wiederaufbau Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Frieden von Trianon (1920). Durch diesen hatte Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets an seine Nachbarländer verloren.

Trotz des "Schocks von Trianon" habe man "vom Boden aufstehen und ein erfolgreiches Land aufbauen" können, sagte Orbán den Angaben zufolge. Dies sei einigen "Ausnahmestaatsmännern", darunter Horthy, zu verdanken, die der "Nation gedient und sie angeführt" hätten. Auch Ungarns "trauriges Engagement" im Zweiten Weltkrieg könne Horthys Beurteilung "nicht überschatten", zitierte "Spiegel online" Orbán.

Dessen Mitverantwortung am Holocaust erwähnte Orbán demnach nicht. Horthy hatte den Abtransport von ungarischen Juden außerhalb Budapests in deutsche Vernichtungslager gebilligt. Erst als ab Juli 1944 auch die Budapester Juden abtransportiert werden sollten, widersetzte er sich aufgrund internationalen Drucks.

Der Verband der jüdischen Gemeinden Ungarns (Mazsihisz) und der Jüdische Weltkongress (WJC) kritisierten Orbáns Bemerkung über Horthy scharf als "Verherrlichung eines Hitler-Verbündeten". "Horthys Verantwortung am Tod von 600.000 ungarischen Juden steht für uns außer Frage", heißt es in einer Stellungnahme von Mazsihisz.

Außerdem sei Horthy für den Tod zehntausender ungarischer Soldaten verantwortlich, da Ungarn auf seinen Befehl hin am Krieg gegen die Sowjetunion teilgenommen habe. Auf diese Kritik angesprochen sagte Orbán am vergangenen Freitag am Rande des EU-Gipfels: "Ich habe meine Rede auf das Genaueste formuliert und stehe zu jedem ihrer Worte." Auch Orbáns Kanzleiminister János Lázár würdigte Horthy als "großen Patrioten" und als "ehrbaren, durch und durch rechtschaffenen Militär".

Horthy war österreichisch-ungarischer Admiral, ungarischer Politiker und als Reichsverweser langjähriges Staatsoberhaupt des Königreichs Ungarn. Er wurde 1944 abgesetzt und starb 1954 im Exil in Portugal. Seine sterblichen Überreste wurden 1993 aus Estoril nach Ungarn überführt und in einem Mausoleum in seinem Geburtsort Kenderes beigesetzt. (APA, 26.6.2017)

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