Wiener Freizeitanlage seit sechs Jahren geschlossen

    27. Juni 2017, 06:00
    235 Postings

    Jahrzehntelang wurde an der Alten Donau Tennis gespielt, ehe die Anlage samt Lokal 2011 schließen musste. Seither verwildert die Fläche in bester Lage

    Wien – Eine großteils kostenlos zugängliche Schwimmmöglichkeit im urbanen Gebiet, erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu zahlreiche Gelegenheiten, Wassersportarten auszuprobieren oder kleine Boote zu mieten. Grünflächen neben dem Wasser werden zum Entspannen genutzt, Restaurants entlang der Uferpromenade laden zur Einkehr ein. Das Naherholungsgebiet Alte Donau in Wien boomt vor allem an warmen Sommertagen, die tendenziell eher mehr als weniger werden.

    foto: apa / herbert pfarrhofer

    Grundstücke werden immer wertvoller

    Flächen an der Alten Donau – Grundstückseigentümer ist großteils das Stift Klosterneuburg – werden immer wertvoller: In den vergangenen Jahren entstanden hier auch vermehrt Luxusimmobilien inmitten von Kleingartensiedlungen.

    Eine rund 9000 Quadratmeter große Fläche in prominenter Lage an der unteren Alten Donau zwischen Lange Allee und Zillengrund, das Strandbad Gänsehäufel befindet sich gegenüber, verwildert hingegen seit fast sechs Jahren vor sich hin.

    david krutzler

    Eingangsschild zum Lokal hängt noch

    Hinter dem eingezäunten und videoüberwachten Areal zeichnen sich noch Umrisse von einstigen Tennisplätzen ab. Ein Restaurantgebäude samt Schanigarten verfällt zusehends, alte Laternen sind eingeschlagen, Zäune von Efeu überwuchert. Der ehemalige Kinderspielplatz präsentiert sich wie eine Szene aus einem Horrorfilm. Selbst das Eingangsschild zum Lokal mit Menüaushang hängt noch.

    david krutzler

    Pachtvertrag nicht mehr verlängert

    "Mein Pachtvertrag mit dem Grundstücksbesitzer wurde nicht mehr verlängert", erzählt Alexander Pekarek, der hier neben den vier Tennisplätzen auch ein Lokal mit rund 200 Sitzplätzen – 160 davon auf der Terrasse im Freien – betrieben hat. Anfang 2012 musste Pekarek ausziehen. Seither liegt die Fläche brach.

    13 Jahre lang, seit 1999, hatte Pekareks "Einkehr Alte Donau" in den warmen Monaten offen. Tennis gespielt wurde schon jahrzehntelang davor: Der eingemietete Tennisclub ASV Industrie 22 wurde 1953 gegründet. "Der Verein hat sich aufgelöst, als ich zusperren musste", sagt Pekarek. Online existiert die Freizeitanlage aber weiter. "Erst vor zwei Wochen hat mich wieder einer angerufen. Er hat gesagt, dass er schon länger nicht mehr bei mir war, aber er würde gerne einen Tennisplatz buchen."

    david krutzler

    Grundstück gehört dem Rewe-Konzern

    Die als Erholungsgebiet gewidmete Fläche für Sport- und Spielplätze erlaubt dank einer besonderen Bestimmung im Flächenwidmungsplan auch eine teilweise Gastronomienutzung. Grundstückseigentümer ist nicht das Stift Klosterneuburg, sondern die C & C Abholgroßmärkte GmbH, die direkt hinter dem Freizeitareal auch einen Adeg Großmarkt (AGM) betreibt. Mutterfirma ist der Rewe-Konzern.

    david krutzler

    Kein langfristiger Kontrakt

    Pekarek hatte sich vor Auslaufen seines Zehnjahresvertrages 2009 beim Konzern um einen weiteren langfristigen Kontrakt bemüht. "Ich wollte um Beachvolleyballplätze erweitern." Der Eigentümer willigte aber nur in Jahresverträge ein, bis Ende 2011 die Räumung erfolgen musste.

    Dem Vernehmen nach soll AGM Pläne gehegt haben, den Standort zu vergrößern. Das hätte eine Umwidmung bedingt. Eine Vergrößerung sei laut einem Sprecher von Rewe nicht geplant, hieß es auf Anfrage des STANDARD. Zur Zukunft des seit fast sechs Jahren geschlossenen Freizeitareals hielt der Sprecher nur fest: "Die weitere Verwendung des Grundstücks an der Promenade wird momentan geprüft."

    david krutzler

    Erneut um Nutzungsmöglichkeit angefragt

    Pekarek hat erst im Februar erneut bei Rewe um eine Nutzungsmöglichkeit angefragt. "Da hieß es: Wir verkaufen nicht, wir vermieten nicht, wir verpachten nicht." Der Stadt Wien sind nach Eigenangaben die Hände gebunden, die brachliegende Freizeitfläche wieder nutzbar zu machen. Es gebe "keine Möglichkeit für die Stadt, die Fläche zu gestalten", hieß es aus dem Büro von Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). (David Krutzler, 27.6.2017)

    Share if you care.