Bankenaufseher stellen Veneto-Banken unter Kuratel

26. Juni 2017, 06:31
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EU gibt grünes Licht für Staatshilfe für Volksbanken aus Venetien. Intesa Sanpaolo bekommt gute Teile von Veneto Banca und Banca Popolare für einen Euro

Die Bankenaufseher der EZB haben die beiden Volksbanken aus Venetien, Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza, vor dem Wochenende offiziell zu "wahrscheinlich nicht überlebensfähig" erklärt. Und die zuständige EU-Behörde hat Samstag grünes Licht für Staatshilfen zur Rettung der beiden Regionalbanken gegeben. Damit kann die Regierung in Rom nach italienischem Insolvenzrecht vorgehen.

Am Sonntag hat die Regierung in Rom das entsprechende Gesetzesdekret erlassen. Eile war deshalb geboten, damit die 1100 Bankfilialen der beiden Banken am Montag ihre ordentliche Geschäftstätigkeit aufnehmen können – obwohl die beiden Problembanken nun unter Zwangsverwaltung stehen. Die Zentralbank Banca d' Italia hat unter anderem Fabrizio Viola, seit wenigen Monaten Chef der Volksbank von Vicenza, zum Zwangsverwalter der beiden Geldinstitute ernannt.

Eine Retterin gibt es, wie berichtet, auch schon: Banca Intesa Sanpaolo wird die beiden Geldhäuser übernehmen. Genau gesagt soll die Mailänder Großbank nur die in einer "Good Bank" zusammengefassten "guten Teile" der Veneto-Banken übernehmen. Dies zum Symbolpreis von einem Euro. Der Staat wird der profitabelsten Bank Italiens insgesamt 4,7 Milliarden Euro an Restrukturierungskosten zur Verfügung stellen – auch um eine Kapitalerhöhung zu vermeiden. Die Eigenkapitalquote von Intesa soll so ebensowenig reduziert werden wie die großzügige Dividendenpolitik.

Klare Bedingungen

Der einzige Anbieter ist damit der eigentliche Gewinner des Deals. Denn Intesa Sanpaolo kann damit ihre Position in einer der wohlhabensten Regionen Italiens stärken. Im ersten Quartal 2017 lag das Wirtschaftswachstum in Venetien mit 1,2 Prozent über dem Landesschnitt von 0,9 Prozent. Bankchef Carlo Messina hatte klare Bedingungen gestellt: keine Kapitalerhöhung und keinerlei Auswirkungen auf Eigenkapitalrendite bzw. Dividendenpolitik.

Bedingungen hatte freilich auch die EU gestellt: 600 der knapp 1100 Volksbanken-Filialen sind zu schließen und 4000 Arbeitsplätze zu streichen. Die Kosten allein für deren Frühpensionierung werden auf 2,5 Milliarden Euro taxiert. Sie sollen vom Staat übernommen werden. Dem Staat wird auch die "Bad Bank" umgehängt, in die unter anderem faule Kredite im Volumen von zehn Milliarden Euro ausgelagert werden. Zwei weitere Milliarden für Risikoentschädigung jener Kredite, die Intesa Sanpaolo vorbehalten sind, sind in den 4,7 Milliarden an Sanierungskosten bereits inkludiert. Weitere Wertberichtigungen in den Bilanzen von Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza werden auf drei Milliarden Euro geschätzt.

Unter Kontrolle

Die beiden Banken stehen fortan unter Kuratel des Bankenrettungsfonds Atlante, der bis zu 3,5 Milliarden für deren – inzwischen unnötige Kapitalerhöhung – ausgab. Dieses Geld ist verloren. Atlante wurde von Großbanken (auch Unicredit), Versicherungen und Bankenstiftungen finanziert. Zur Kasse gebeten werden auch Aktionäre und Besitzer von Nachranganleihen. Ob auch die beiden Bankmanager Vincenzo Consoli und Giovanni Zonin, die für die Misere verantwortlich gemacht werden, zur Verantwortung gezogen werden, ist offen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 26.6.2017)

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