Kreml sucht Partner für Syrien-Einsatz: Darunter Ex-Sowjetrepubliken

23. Juni 2017, 17:12
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Kasachstan und Kirgistan zeigen sich wenig interessiert an Einsatz

Russland und die Türkei suchen nach militärischer Unterstützung für ihr Syrien-Engagement. In den Fokus rücken dabei die Ex-Sowjetrepubliken in Zentralasien. Als Erster machte Ibrahim Kalin, Sprecher und Außenpolitikberater des türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan, die Bemühungen publik: Kalin berichtete über ein Treffen mit dem russischen Präsidentenvertreter Alexander Lawrentjew, bei dem es um die Entsendung eines Militärkontingents in die syrische Provinz Idlib ging.

"Von den Russen kam sogar der Vorschlag: Vielleicht entsenden wir eine gewisse Anzahl an Kirgisen und Kasachen. Auch sie können ihren Platz im Rahmen dieser Bemühungen einnehmen", fügte er hinzu. Über die Details solle bei der nächsten Syrien-Konferenz in Astana Anfang Juli entschieden werden, sagte Kalin.

Kasachstan und Kirgistan sind nicht interessiert

"Russland führt Verhandlungen mit Kasachstan und Kirgistan über die Entsendung ihrer Militärs nach Syrien", bestätigte der Leiter des Verteidigungsausschusses der Duma, Wladimir Schamanow. Seinen Angaben zufolge sollen einzelne Kontingente als Sicherheitsorgane in den vier Schutzzonen stationiert werden, die Anfang Mai in einem Memorandum abgesteckt wurden. Eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, räumte Schamanow ein.

Kasachstan und Kirgistan sind Partner Russlands in der Organisation des Vertrags für kollektive Sicherheit. Die Regierungen zeigen aber wenig Verlangen, sich an der Militäroperation zu beteiligen – und sei es als Schutztruppe. Kasachstans Außenminister Kairat Abdrachmanow dementierte, dass sein Land Verhandlungen über einen Einsatz führe. Für Kasachstan sei für die Entsendung von Friedenstruppen "das Vorhandensein einer Resolution des UN-Sicherheitsrats und ein entsprechendes Mandat prinzipiell wichtig", betonte er.

Ein solches Mandat ist unwahrscheinlich. Der Gegensatz zwischen Russland und den USA in der Syrienpolitik verschärft sich gerade und steuert geradewegs auf einen heißen Konflikt zu. Zuletzt hatte die US-Luftwaffe eine syrische Su-22 abgeschossen, wonach Russland die Koordination seiner Luftangriffe mit der westlichen Anti-IS-Koalition beendete.

Nicht unser Krieg

"Das ist nicht unser Krieg, der Konflikt ist weit weg", formulierte der kasachische Politologe Dosym Satpajew die Stimmung in Astana. Der syrische Konflikt sei in eine unkontrollierbare Phase mit vielen Teilnehmern und anhaltenden Verlusten getreten.

Kirgistans Führung, wirtschaftlich abhängiger von Russland, äußerte sich weniger kategorisch, doch auch sie streitet offiziell Verhandlungen ab. Militärkreise bestätigen Gespräche. Doch eine Entscheidung werde nicht vor der Präsidentenwahl im Herbst fallen, heißt es. Mit dem Thema lässt sich im Wahlkampf nicht punkten, auch wenn das Thema Terrorismus für die zentralasiatischen Staaten wichtig ist, da verhältnismäßig viele Bürger aus der Region für islamische Terrormilizen im Nahen Osten kämpfen. (André Ballin aus Moskau, 23.6.2017)

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