Fallstricke der Pressefreiheit: Hulk Hogan vs. "Gawker" – Netflix-Doku "Nobody speak"

24. Juni 2017, 17:00
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Wie ein US-Milliardär Medien zum Schweigen brachte

Am 18. August 2016 bekommt A. J. Daulerio ein Mail: "Ihr Konto wurde gesperrt, um einer gerichtlichen Anordung vom 8. 8. 2016 Folge zu leisten. Der eingefrorene Betrag beträgt 230.200.000 Dollar." Daulerio lacht, als er das vorliest. Er war Chefredakteur der Webplattform Gawker. Die gibt es heute nicht mehr. Der Wrestler Hulk Hogan hat sie mit seinen Anwälten niedergestreckt. Was dahintersteckt, zeigt die Netflix-Doku Nobody Speak – Die Fallstricke der Pressefreiheit, die seit Freitag abrufbar ist.

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Was geschah, ging vor etwa einem halben Jahr durch alle Medien. Terry Bollea alias Hulk Hogan verklagt Gawker für ein veröffentlichtes Video, das ihn beim Sex mit der Exfrau des Radiomoderators Todd Alan Clem, in den USA besser bekannt als "Bubba the Love Sponge", zeigte. Die Medien schlugen Purzelbäume, Hogan, der über sein Sexleben in der Vergangenheit niemals hinterm Berg hielt, klagte, das Gericht verurteilte Gawker zu 140 Millionen Dollar Schadenersatz.

Doch die Story ist größer, denn hinter Hogan steht der Silicon-Valley-Milliardär und Paypal-Gründer Peter Thiel, der offenbar einen Rachefeldzug gegen Gawker führte und Vergeltung wollte.

foto: netflix

Ein Milliardär, der es den Medien zeigen möchte? Davon gibt es in den USA mehrere, insbesondere einen bestimmten, Donald Trump nämlich, weshalb der Dokumentarist Brian Knappenberger mächtig ausholt und zum Teil etwas gar arg im Pathos über die Stränge schlägt. Gänzlich unabhängig ist auch dieser Film nicht, schreibt die Süddeutsche Zeitung: Unter den Produzenten sei die Firma First Look Media. Ihr Eigentümer, Ebay-Gründer Pierre Omidyar, habe 2016 dazu aufgerufen, Gawker zu untersützen. (Doris Priesching, 24.6.2017)

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