"Lichtungen": (K)eine Krise zum Jubiläum

    23. Juni 2017, 16:24
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    Die 150. Ausgabe der Zeitschrift ist soeben erschienen

    Verschiedene Formen von Krise hat die 150. Ausgabe der Lichtungen zu ihrem Leitthema gemacht. Die Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik erschien 1979 zum ersten Mal in Graz, junge Literatur zu fördern war ein Ziel und Anspruch. Schon lange gesellen sich dazu auch international renommierte Autoren und Länderschwerpunkte. Sie alle gibt es auch diesmal.

    Im Fokus des Jubiläumsheftes stehen dem Überthema entsprechend einerseits ökonomische Krisenherde. Aus Italien erzählen etwa Antonio Incorvaia und Alessandro Rimassa von der Generation eintausend Euro, aus Spanien Ana Pérez Cañamares von Delogierungen. Weiters vorgestellt wird die Portugiesin Susana Araújo, die in ihrem Gedicht mit dem prosaischen Titel Wachstums- und Stabilitätsprogramm über den Deal mit dem IWF schreibt: "Ein noch kindliches Paar / zahlt bereits seine Zinsen / zurück".

    Es tobt der "Sturm", um in der Krisenmetapher von Maria João Cantinho zu bleiben, aber auch digital. Was bedeutet die Onlineisierung von schriftstellerischer Produktion und ihren Erzeugnissen für die Literatur und ihre Leser? Was für deren Aufmerksamkeit und Genuss? Dem gilt eine Reihe von Essays im Band, u. a. der STANDARD-Kulturredakteure Andrea Schurian und Ronald Pohl.

    "Unter Lichtungen ist nicht ein Kahlschlag durch die Reihen unserer Autoren gemeint, obwohl bei der Auswahl der Texte die künstlerische Qualität das oberste Prinzip sein wird", stand damals auf der ersten Seite des ersten Heftes. Eine Lichtung steht in einem Dickicht für einen Freiraum, einen Orientierungspunkt. Auch diesmal. (Michael Wurmitzer, 23.6.2017)

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