Tirol: Verfassungsschutz ermittelt nach "Ramadan-Feier" des RFJ

23. Juni 2017, 10:42
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Just nach dem Spanferkelgrillen wurde ein Sauschädel vor dem Lokal des örtlichen türkischen Kulturvereins gefunden. Listenzweite der FPÖ für die Landtagswahl spricht von "nettem Nachmittag mit der Jugend"

Innsbruck – Der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) im Tiroler Bezirk Schwaz ist nicht unbedingt mit Sinn für Humor gesegnet. So wurde ein Spanferkel-Barbecue Ende Mai über soziale Medien mit einem Comic-Sujet des grillenden Heinz-Christian Strache beworben. Der in typischer FPÖ-Manier gereimte Text auf dem Bild besagte: "Isst du Schwein darfst du rein" (sic!). Der Einladung der blauen Jugendorganisation folgten auch hochrangige Funktionäre, wie die Tiroler FP-Frauensprecherin und Nummer zwei auf der Landtagswahlliste für 2018, Evelyn Achhorner, und der Landesparteisekretär Christofer Ranzmaier.

"Ramadan mit dem RFJ Schwaz"

Im Anschluss veröffentlichte der Bezirksobmann des RFJ Benjamin Kranzl die Bilder der gemeinsamen Grillerei auf Facebook. Provokanter Titel des Fotoalbums: "Ramadan mit dem RFJ Schwaz". Das alles zeugt abgesehen vom Spanferkel nicht unbedingt von gutem Geschmack, ist aber weiter nicht erwähnenswert. Wäre da nicht just in derselben Nacht vor dem türkischen Atib-Vereinslokal in Schwaz ein abgetrennter Kopf eines gegrillten Spanferkels deponiert worden.

Die Polizei wurde ob des pikanten Fundes alarmiert. Die skizzierte Indizienkette rief das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung auf den Plan. Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, laufen nun Erhebungen. Gemäß Information des Landespolizeikommandos ist eine Anzeige sehr wahrscheinlich. Gegen wen und aufgrund welchen Tatbestandes, könne man aber noch nicht definitiv sagen.

Auf ihre Teilnahme an der Grillfeier angesprochen, distanziert sich Achhorner im Gespräch mit dem STANDARD von den späteren Vorkommnissen und der Titulierung des Treffens als Ramadan-Feier: "Ich habe einen netten Nachmittag mit der Jugend verbracht. Bei Limonade und Säften." Sie habe sich persönlich erkundigen wollen, wie es um die Parteijugend bestellt sei. Es sei ihr ein großes Anliegen, den Kontakt zum Nachwuchs zu pflegen. Während ihrer Anwesenheit auf dem Fest, die von 14 bis etwa 16 Uhr gedauert habe, sei ihr nichts Besonderes aufgefallen. Im Gegenteil, erklärt Achhorner: "Ich war erstaunt, dass keine radikalen Themen oder Sprüche kamen." Man habe ja gerade in der Jugendorganisation immer wieder Probleme dahingehend.

FPÖ: "Nicht überbewerten"

Zu den laufenden Erhebungen des Verfassungsschutzes könne sie nichts sagen. Sie bezweifelt, dass jemand aus der Runde, der sie beiwohnte, damit zu tun haben könnte. Sollte sich aber herausstellen, dass Teilnehmer des Festes den Sauschädel vor dem türkischen Kulturverein abgelegt hätten, werde das Konsequenzen haben. Welche genau, sei Sache des Landesparteiobmanns Markus Abwerzger. An der vom RFJ auf Facebook gewählten Bezeichnung der Feier als "Ramadan-Fest" stört sie sich weniger. Man solle das nicht überbewerten. Sie erinnere sich an einen "unauffälligen, netten Nachmittag" mit der Jugend.

Abwerzger verweist in einer Stellungnahme darauf, dass die Veranstaltung des RFJ eine "normale Grillfeier" gewesen sei, die auch von Funktionären besucht wurde. Zu den Erhebungen des Verfassungsschutzes hält er fest, dass es sich um "ein laufendes Verfahren im Gange" handle und man dessen Ergebnisse erst einmal abwarten müsse. (Steffen Arora, 23.6.2017)

Der ursprüngliche Artikel vom Vormittag wurde um 19:40 Uhr durch die in der morgigen Print-Ausgabe erscheinende Version ersetzt. (ars)

  • Ein Screenshot des mittlerweile geänderten Facebook-Eintrags des RFJ-Bezirksobmannes.
    foto: screenshot / privat

    Ein Screenshot des mittlerweile geänderten Facebook-Eintrags des RFJ-Bezirksobmannes.

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