Energiewende: Rupprechter für Anreize und gegen Verbote

23. Juni 2017, 07:00
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Experte Leukefeld: "In Energiewende brauchen wir die attraktiven Damen als Leitbild"

Wien – Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien beim Heizen, im Verkehr und in der Wirtschaft generell läuft alles andere als rund. Mit ein Grund sei, dass die Politik es in hohem Maße nicht schaffe, die Menschen mitzunehmen, sagen Beobacher.

"Das müsste nicht so sein," meint der aus Deutschland stammende Energieexperte Timo Leukefeld. "Man muss die Menschen für ein Ziel begeistern; dann geht es fast von allein," sagte er am Rande des Klimaaktiv-Jahrestreffens am Donnerstag in Wien. Und schiebt ein Beispiel nach:

"Ein österreichischer Rentner kann mit 90 noch chinesisch lernen, nicht auf der Volkshochschule, sondern indem er sich in eine jüngere Chinesin verliebt", sagte Leukefeld dem STANDARD. Diese Erkenntnis, die sich auf viele Bereiche übertragen lasse, stamme aus der Hirnforschung.

Attraktive Damen als Leitbild

"Bei Experimenten hat man gesehen, dass die Verschaltungen im Kopf mit Begeisterung besonders gut funktionieren. Da gehen plötzlich Paradigmenwechsel, die vorher undenkbar waren. In der Energiewende brauchen wir im übertragenen Sinn die attraktiven Damen als Leitbild."

Dem kann auch Umweltminister Andrä Rupprechter (VP), auf dessen Einladung Leukefeld in Wien weilte, viel abgewinnen. "Nach dem Pariser Klimaschutzvertrag ist klar, wohin wir müssen, nämlich runter mit den Treibhausgasen, wenn wir den mittleren Temperaturanstieg bis Mitte des Jahrhunderts bei zwei Grad Celsius oder tiefer einbremsen wollen. Mich stört, wenn man ständig damit kommt, es brauche Gesetze, Normen, Sanktionen. Klimaschutz kann auch Spaß machen." Ein Anreizsystem sei besser als Verbote, sagt Rupprechter.

Leukefeld, der im sächsischen Freiberg in einem selbst konzipierten, energieautarken Haus wohnt, findet auch, dass Anreize funktionieren, aber nur bis zu einem gewissen Grad: "Es gibt auch Bereiche, wo die Politik sagen muss, so nicht." Mit seinem 2011 gegründeten Unternehmen "Timo Leukefeld – Energie verbindet" berät der Experte für energetisches Wohnen seitdem Politik, Wirtschaft, Gemeinden und Bauherren im nachhaltigen Umgang mit Energie und Ressourcen.

Ölheizungen verbieten

Zum Beispiel Ölheizungen – die würde Leukefeld am liebsten verboten sehen.

"In Niederösterreich ist das auf meine Anregung hin passiert," sagte Rupprechter. "Ab 2019 ist es dort verboten, bei Neubauten Ölheizungen einzubauen." Positive Signale gebe es auch aus Vorarlberg; in Kärnten liege schon ein entsprechender Gesetzentwurf vor und auch für Tirol, sein Heimatbundesland sei er optimistisch, "dass da bald was kommt."

Ein großer Treiber der Energiewende ist nach Ansicht von Leukefeld "die Nahe-Null-Grenzkostengesellschaft." Viele Produkte und Dienstleistungen würden durch Digitalisierung und 3D-Druck immer billiger. Das sehe man beim Solarstrom, der dank Massenproduktion ab 2030 nur mehr ein bis zwei Cent pro kWh kosten werde. In seinem Haus komme er mit zwei Festmetern Holz durch den Winter. Der überwiegende Teil der Energie komme vom Dach und aus der Batterie. (Günther Strobl, 23.6.2017)

  • Ein Anreizsystem sei besser als Verbote, sagt Rupprechter.
    foto: robert newald

    Ein Anreizsystem sei besser als Verbote, sagt Rupprechter.

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