Vorolympische Disziplin: Hinbiegen

Kommentar22. Juni 2017, 18:09
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Machbarkeitsstudie deutet auf Nichtmachbarkeit der Tiroler Winterspiele 2026 hin

Am 15. Oktober 2017 wird es in mehr als einer Hinsicht richtig spannend für Österreich. Doch während das ganze Land einen neuen Nationalrat wählt, stimmt nur Tirol über eine mögliche Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 ab. Das allein erscheint schon fragwürdig, schließlich ist es der Bund, der eine Ausfallshaftung und große Teile der Kosten übernehmen soll. Deren Höhe lässt sich auch nach der Erstellung und der Präsentation einer "Machbarkeitsstudie" nicht einmal ansatzweise abschätzen.

Unbeantwortete Fragen

Die Anführungszeichen kommen nicht von ungefähr. Denn ob Olympische Winterspiele für Innsbruck, Tirol und Österreich wirklich machbar sind, verrät die "Machbarkeitsstudie" nicht. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass viele entscheidende Fragen unbeantwortet bleiben oder gar nicht erst gestellt wurden, deutet stark auf eine Nichtmachbarkeit hin. Wer sich das unter www.olympia2026.at vorliegende Ergebnis zu Gemüte führt, der sieht Hinbiegen und Schönreden als vorolympische Disziplinen etabliert. Den verwundert auch nicht, dass die Macher der Studie recht dezent im Hintergrund bleiben.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) und Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), hatten je zwei Vertreter in eine Jury entsandt, die eine Bietergemeinschaft mit der Erstellung der Studie beauftragte. Der Gemeinschaft gehörten die Firmen Proprojekt (Planungsmanagement & Projektberatung GmbH), AS+P (Albert Speer und Partner GmbH), Solid (Event Management + Consulting GmbH) und das MCI (Management Center Innsbruck) an. Die Frage, ob ein Sportgroßevent mit allen Nebengeräuschen diesen Firmen zum Vorteil gereichen könnte, hat sich bei der Vergabe nicht gestellt. Beantworten lässt sich, was die Studie kostete, nämlich 270.000 Euro.

Nicht alle relevanten Bereiche beleuchtet

Dafür sollten, hielt Platter seinerzeit fest, "alle" für eine Olympiabewerbung relevanten Bereiche beleuchtet werden. Doch genau das ist nicht passiert. Mag sein, auch deshalb scheuen Platter und Oppitz-Plörer davor zurück, ihren Landsleuten ein "Ja" zur Bewerbung zu empfehlen. Allein der Punkt "Sportstätten" stellt Tirol vor kaum lösbare Probleme. Mehrere große Hallen, vor allem für Eishockey und Eiskunstlauf, fehlen. Die "Machbarkeitsstudie" sieht die 7.200 Zuseher fassende Olympiahalle als Austragungsort für Eiskunstlauf, Shorttrack und das Eishockeyfinale vor, nimmt die Unterschreitung der IOC-Norm (12.000 Zuseher) "bewusst in Kauf". Als Eishockey-Vorrunden-Spielorte werden "bestehende Hallen im Umfeld von Tirol" vorgeschlagen, also "Bozen, Salzburg, München, Dornbirn, Feldkirch, Klagenfurt und Wien".

Doch auch dort gibt es keine geeigneten Hallen. Dazu passt, dass einer der wichtigsten Punkte, die Sicherheit, fast völlig ausgeklammert wurde. Das Sicherheitsbudget der Winterspiele 2010 in Vancouver lag bei 610 Millionen Euro. Die Macher der "Machbarkeitsstudie" hielten fest: "Die allgemeine Sicherheit liegt in der Verantwortung des Bundes."

So gehen sich geschätzte Organisations- und Durchführungskosten von 1,175 Milliarden Euro aus. Und es geht sich aus, "dass diese Kosten ohne öffentliche Zuschüsse mit Einnahmen gedeckt werden". Alles machbar. Da ist es nicht mehr weit zur dritten vorolympischen Disziplin, nicht mehr weit zum Für-blöd-Verkaufen. (Fritz Neumann, 22.6.2017)

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