Fotomuseum als Politikum

    22. Juni 2017, 17:41
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    Salzburg bangt um Bundesbestände, ein Konzept ist laut Drozda für Herbst geplant

    Wien/Salzburg – Thomas Drozdas (SPÖ) Idee zu einem Fotomuseum, das Bestände aus öffentlichen und privaten Sammlungen vereint, sorgt in Salzburg für einigen Unmut. Obwohl weder über einen Standort entschieden wurde noch ein Konzept vorliegt, sieht man an der Salzach die Felle davon schwimmen. Konkret bangt man um die dort verwahrte Sammlung des Bundes, die theoretisch abgezogen würde.

    Praktisch könnte sie samt Zusatzsubvention in der Albertina landen, mutmaßte Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) zuletzt in den Salzburger Nachrichten. Solche Gerüchte kursierten, und Drozdas bei einer Ausstellungseröffnung in der Albertina verlautbartes Plädoyer für die Schaffung einer solchen Institution gab weitere Nahrung.

    Die 1999 von Direktor Klaus-Albrecht Schröder mit den Beständen aus dem Museum Moderner Kunst (Wien) gegründete Fotosammlung wuchs im Laufe der Jahre um Neuankäufe und vor allem um umfangreiche Dauerleihgaben (Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, Verlag Langewiesche).

    Sammlung "Fotografis" geht nicht an die Albertina

    Die Sammlung "Fotografis" der Bank Austria wird jedenfalls nicht als Leihgabe an die Albertina gehen, zerstreut Kunstforum-Direktorin Ingried Brugger auf STANDARD-Anfrage diesbezügliche Flüsterpropaganda. Die 1976 gegründete Kollektion internationaler und historischer Fotografie aus der Pionierzeit bis in die 1970er Jahre gastierte seit 2009 als befristete Leihgabe im Museum der Moderne (Salzburg). Nun bestünde Eigenbedarf und kehrt "Fotografis" nach Wien zurück. Brugger hält die Idee, sowohl institutionelle als auch private Fotosammlungen zu bündeln, für eine ausgezeichnete. Landesfürsten können dieser momentan offenkundig weniger abgewinnen.

    Anfang der Woche meldete sich Salzburgs Ex-Landeshauptmann Franz Schausberger zu Wort. Demnach könne das erwünschte "Haus der österreichischen Fotografie", wie einst von ihm geplant, seit 2004 im Rupertinum beheimatet sein. Eine verlorene Wahl später war alles anders.

    Die Bundesbestände werden seither sporadisch in Ausstellungen präsentiert. Etwaiger Leihverkehr läuft über das Museum der Moderne, wiewohl der Bund dazu den finalen Segen geben muss. Schausberger wünscht den Verbleib in Salzburg. Vorsorglich, denn "wenn Zentralisten in Wien wieder Oberwasser bekommen, muss man aufpassen", zitieren ihn die Salzburger Nachrichten.

    Etwa auch Linz denkbar

    Im Kulturministerium will man derlei nicht kommentieren. Geht es um Fotografie als Kunstform des 20. und 21. Jahrhunderts, fehlt hierzulande bislang eine zentrale Anlaufstelle. Für Drozda sind mehrere Ansätze denkbar: "Man baut ein Fotomuseum oder dockt bei einer Institution an", ebenso sei eine "Stiftung als Dachorganisation denkbar". Eine abgeschlossene Meinung habe er nicht, auch nicht zum Standort, der genauso gut in Linz oder Graz sein könnte.

    Wichtig sei ihm die Einbindung der Experten. Für die Umsetzung relevant sind "inhaltlich und für den Bund finanziell interessante Konzepte". Um die Koordination wird sich der neue Sektionschef Jürgen Meindl kümmern, er tritt am 1. Juli an. Im Herbst sollen konkrete Ergebnisse vorliegen. (Olga Kronsteiner, 23.6.2017)

    Leserbrief zum Artikel

    Im Museum der Moderne Salzburg sind Werke der Fotosammlung des Bundes nicht nur "sporadisch", sondern seit dem Jahr 2014 sogar kontinuierlich in den rotierenden Sammlungsausstellungen sowie in Sonderausstellungen im Haus am Mönchsberg zu sehen. Aktuell und noch bis zum 24. September in der Ausstellung "Foto Kinetik. Bewegung, Körper & Licht in den Sammlungen". (Katrin Kahlefeld)

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