Islamische Kindergärten gibt es nur in Wien

22. Juni 2017, 15:47
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Kritische Stimmen aus den Ländern, wo es keine derartigen Einrichtungen gibt

Wien/St. Pölten/Salzburg – Islamische Kindergärten gibt es nur in Wien, in den anderen Bundesländern wird keine eigene Betreuung für muslimische Kinder angeboten, ergab ein APA-Rundruf.

Kritisch zur Forderung von ÖVP-Chef Sebastian Kurz, alle Islam-Kindergärten zu schließen, äußerte sich die für Integration zuständige Tiroler Landesrätin Christine Baur (Grüne). Kurz' Vorstoß sei der "falsche Weg" – und eine "Vorverurteilung", dass solche Kindergärten nicht existieren dürften, sei "nicht in Ordnung". Baur ist die Gleichstellung der Religionsgemeinschaften wichtig. Tirol gehe etwa mit der Ausbildung islamischer Religionspädagogik einen anderen Weg. Die Grüne Landesrätin sprach sich allerdings für eine "öffentliche Nachschau" in solchen Kindergärten aus – um einer "Abwendung" von unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.

In der Steiermark gibt es keinen islamischen Kindergarten und "mit solchen Fehlentwicklungen, über die gerade diskutiert wird, lehne ich islamische Kindergärten ab", sagte Landesrätin Ursula Lackner (SPÖ). Denn diese "verfolgen nicht die pädagogischen Leitlinien, die wir in der Steiermark haben, deren Einhaltung von allen Trägern gefordert und von der Behörde kontrolliert wird". Dazu gehörten unter anderem Gleichbehandlung der Geschlechter sowie Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit für alle Kinder.

Oberösterreich hat vor einem Jahr – damals wurde über Probleme in Wien diskutiert – die Genehmigungsvorschriften verschärft, "um abgeschottete Kinderbetreuungseinrichtungen in OÖ zu verhindern", sagte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) auf APA-Anfrage. Der Betrieb eines Kindergartens sei nur noch dann zulässig, wenn etwa die allgemein anerkannten Grundsätze der Bildung oder die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder gefördert werden. "In Zeiten wie diesen ist für mich klar, dass islamische Kindergärten nicht die richtige Antwort auf die Frage der Integration sein können", argumentierte Stelzer.

Grundsätzlich sehe der bildungspolitische Rahmenplan in Österreich einen hohen Qualitätsstandard vor, an dem man sich in Salzburg halte, sagte Landesrätin Martina Berthold (Grüne). Darin seien auch die Meinungs- und Religionsfreiheit sowie ein demokratisches Verständnis beinhaltet. Sollte sich eine Einrichtung nicht an diese Standards halten, werde sie nicht genehmigt bzw. im Zuge von Kontrollen auch entsprechend beanstandet. Der Rahmenplan habe zurzeit keinen gesetzlichen Charakter, Salzburg wird die Inhalte laut Berthold aber in seinem neuen Kinderbetreuungsgesetz verankern und damit die Standards gesetzlich absichern.

Auch in Vorarlberg ist die Frage der islamischen Kindergärten kein Thema. "Es gibt hier keine islamischen Kindergärten, und es ist auch keiner vorgesehen", sagte Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) auf APA-Nachfrage. Vorarlberg setze auf eine integrative Betreuung der Mädchen und Buben im Kindergartenalter. Ein wichtiger Schwerpunkt sei die Sprachförderung mit dem Ziel, "dass die Kinder beim Schuleintritt so gut Deutsch können, dass sie dem Unterricht problemlos folgen können".

In Niederösterreich treten, im Gegensatz zu Wien, als Kindergartenerhalter nahezu ausschließlich die Gemeinden auf, teilte Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) mit. Mehr als 1.050 Landeskindergärten werden in einer Kooperation zwischen Gemeinden und Land betrieben, wobei das Land in all diesen Einrichtungen die Kindergarten- und Sonderkindergartenpädagogen sowie interkulturelle Mitarbeiter zur Verfügung stellt. "Damit garantieren wir eine einheitliche Pädagogik, welche nach den Prinzipien der Offenheit und der Toleranz ausgerichtet ist", erklärte Schwarz.

Auch die rund 30 Privatkindergärten im Bundesland "unterliegen dem engmaschigen Netz der Fachaufsicht durch die NÖ Landesregierung, wobei die pädagogische Arbeit in allen Kindergärten durch laufende, unangekündigte Besuche der Kindergarteninspektorinnen beurteilt wird". (APA, 22.6.2016)

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