Weltdrogenbericht: 29,5 Millionen Menschen haben Suchtgiftprobleme

22. Juni 2017, 13:53
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Rund 250 Millionen Menschen konsumieren zumindest einmal im Jahr illegale Drogen

Wien – Es gibt weltweit wenig Neues auf dem Gebiet der illegalen Drogen. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht des UN-Büros zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (Unodc) hervor. Mit einer Zahl von rund 250 Millionen Menschen, die zumindest einmal im Jahr illegale Drogen konsumieren, und 29,5 Millionen Personen mit echten Suchtgiftproblemen hat sich gegenüber 2014 nichts geändert.

"2015 gebrauchte rund eine Viertelmilliarde Menschen Drogen. Von diesen hatten 29,5 Millionen Personen oder 0,6 Prozent der Erwachsenen problematischen Suchtgiftkonsum, litten deshalb an Krankheiten oder waren abhängig", erklärte das Unodc zur Veröffentlichung des Weltdrogenberichts mit Daten aus dem Jahr 2015. International sei der Drogenmarkt durch eine immer größer werdende Diversifizierung charakterisiert. "Der Umfang des Schadens, den Drogenkonsum anrichtet, wird durch geschätzte 28 Millionen Jahre an gesunder Lebenserwartung unterstrichen (DALYs), die 2015 durch vorzeitigen Tod oder Invalidität dadurch verloren wurden", heißt es in dem Bericht. 70 Prozent davon gingen auf den Gebrauch von Opioiden zurück.

Cannabis auf Platz eins

Das in Wien ansässige Unodc führt an, dass innerhalb eines Jahres (2015) geschätzt 183 Millionen Menschen weltweit zumindest einmal Cannabis benutzt haben. Bei den Amphetaminen und aufputschenden Medikamenten sind es 37 Millionen, bei Ecstasy 22 Millionen Konsumenten. 17 Millionen konsumierten zumindest einmal Kokain. Die geschätzte Gesamtzahl jener Personen, die zumindest einmal im Jahr Opioide (Opium, Morphin, Heroin und synthetische Opioide wie Fentanyl und Derivate davon) missbräuchlich verwendeten, dürfte bei 36 Millionen liegen.

grafik: apa

Beunruhigend sei die Entwicklung in den USA, unterstreicht der Bericht: "Die Vereinigten Staaten sind für rund ein Viertel aller Drogen-Todesfälle verantwortlich (...). Zum größten Teil durch Opioid-Missbrauch angetrieben, ist die Zahl der Todesfälle durch Überdosierungen in den USA zwischen 1999 und 2015 auf das Dreifache gestiegen, von 16.849 auf 52.404 oder um 11,4 Prozent allein im vergangenen Jahr (...)." Das sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Schmerzmittel aus der Medizin (Fentanyl und Derivate) würden missbräuchlich verwendet und abgezweigt, gleichzeitig komme es zu einem vermehrten Heroinkonsum.

USA: Opioid-Problem

Die Situation in den USA und in Kanada ist allerdings durch die dort vorhandenen Rahmenbedingung mit der offenbar massiven Verschreibung von Opioid-Analgetika durch Ärzte und die Werbung dafür mitbedingt. Hinzu kommt, dass sich Patienten von Ärzten Fentanyl verschreiben ließen und die Medikamente dann an Abhängige verkauften. Das dritte Faktum ist ein wachsender illegaler Markt mit Fentanyl-Derivaten aus ebenso illegaler Produktion.

Bei den synthetischen Opioiden reiche die Herstellung geringer Mengen bereits für viele tausend Dosen auf dem Schwarzmarkt, stellten Experten im Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) erst vor einigen Wochen fest. Fentanyl und ähnliche Wirkstoffe sind hundertfach wirksamer als Morphin und damit beim Gebrauch als Drogen schwer zu dosieren.

foto: apa/helmut fohringer
17 Millionen Menschen konsumierten 2016 zumindest einmal Kokain.

Die US-Problematik mit Opioiden aus der Medizin sollte aber laut internationalen Experten nicht die Verwendung der besten Analgetika bei Schmerzpatienten behindern. "Plötzlich dreht sich die Diskussion in den USA nur noch um die 'Opioid-Epidemie' und Todesfälle durch Überdosierungen. Niemand spricht mehr von den Patienten mit schweren chronischen Schmerzen", sagte Tony O'Brien von der irischen Universität Cork vor kurzem bei einem Expertensymposium in Malta. "Nur 0,01 Prozent der für Opioid-Schmerzmedikamente gezielt ausgesuchten Schmerzpatienten entwickeln eine Abhängigkeit."

Krankheiten durch Injektion

Am meisten gefährdet unter den Drogenkonsumenten sind jene, die sich Drogen injizieren. Das sind weltweit rund zwölf Millionen Menschen. 1,6 Millionen davon sind HIV-positiv, 6,1 Millionen mit Hepatitis C infiziert, 1,3 Millionen haben sowohl chronische Hepatitis C als auch HIV. Pro Jahr sterben weltweit rund 222.000 Drogenabhängige an Hepatitis C. Die Krankheit könnte durch eine medikamentöse Therapie fast zu hundert Prozent geheilt, die Infektion sogar weltweit ausgerottet werden. (APA, 22.6.2017)

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