Osteuropa holt bei Digitalisierung am raschesten auf

    22. Juni 2017, 13:46
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    Rückstand zu Westeuropa nur mehr "einige Jahre" – Großes Potenzial bei E-Government

    Die Region Zentral- und Osteuropa (CEE) nähert sich Westeuropa am raschesten auf dem Gebiet der Digitalisierung an. Der Rückstand könne eher mit "einigen Jahren" als in Jahrzehnten gemessen werden, so die CEE-Experten der Erste Group in einer aktuellen Studie, die am Donnerstag in Wien vorgestellt wurde.

    Vorteile der Digitalisierung nicht ausreichend genutzt

    Die digitale Infrastruktur – Internetzugang und mobile Breitbandnutzung – sei in CEE zwar schon relativ gut entwickelt, die Vorteile der Digitalisierung würden aber noch nicht ausreichend genutzt, sagte Juraj Kotian, Osteuropa-Chefanalyst der Erste Group und Koautor der Studie, bei einem Pressegespräch. Dies betreffe hauptsächlich E-Government-Dienstleistungen. Gerade gut funktionierende staatliche Dienstleistungen könnten große positive Nebeneffekte nach sich ziehen und zum Wohlstand der CEE-Länder beitragen.

    In anderen Bereichen, etwa der Kapitalausstattung oder dem Autobahnausbau, sei der Rückstand der CEE-Länder zu Westeuropa noch viel größer, nämlich 47 bzw. 36 Jahre. In Summe hätten 79 Prozent der CEE-Haushalte Zugang zum Internet, das seien nur um 8 Prozentpunkte weniger als in Westeuropa. "Die Digitalisierung auf EU-Niveau zu bringen gelang viel rascher und günstiger", so CEE-Analyst Zoltan Arokszallasi.

    An der Spitze der sieben untersuchten CEE-Länder (CEE-7) liegt Tschechien, gefolgt von der Slowakei und Polen. Es folgen Ungarn, Slowenien, Kroatien und als Schlusslicht Rumänien. Das stärkste Wachstum seit 2004 verzeichneten Slowenien und Kroatien. Am geringsten fiel es in Rumänien aus.

    Digitale Kompetenzen der Bürger fördern

    Da die Digitalisierung einen schnelleren Weg zur Gesamtkonvergenz eröffnen könne, sollten die CEE-Länder ihren Fokus darauf legen, die digitalen Kompetenzen und das Nutzungsverhalten ihrer Bürger aktiver zu fördern, so Kotian.

    Vor allem bei den digitalen staatlichen Dienstleistungen hinken die meisten CEE-Länder hinter den westeuropäischen Ländern hinter her. Hier gebe es noch Potenzial. Laut den Studienautoren gibt es auch einen Zusammenhang zwischen dem Ausbau von eGovernment und Korruption im jeweiligen Land. Je höher der Grad der Digitalisierung und somit Transparenz, desto geringer sei die wahrgenommene Korruption. Ein positives Beispiel in dieser Hinsicht sei Estland.

    Mehr E-Government würde den Wohlstand in der Region verbessern helfen. Nicht nur würden Abläufe effizienter und schneller werden, positive Auswirkungen hätte dies auch auf die digitalen Kenntnisse, die dann auch dem privaten Sektor zugutekämen. Das gesamte Geschäftsumfeld würde sich verbessern, wie man in Estland sehen könnte. Dort würden bereits 95 Prozent der Steuererklärungen online ausgefüllt und 98 Prozent der Überweisungen online erfolgen.

    Eine weitere Möglichkeit von der Digitalisierung zu profitieren bestünde für CEE-Unternehmen darin, verstärkt spezielle Unternehmenssoftware zum Informationsaustausch – sogenannte ERP-Software – zu verwenden. Auch hier lägen die CEE-Ländern noch zurück. (APA, 22.6.2017)

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