Erwürgte Lebensgefährtin: Sieben Jahre Haft für Burgenländer

    22. Juni 2017, 12:34
    42 Postings

    Befragung des 70-jährigen Angeklagten: "Geduld verloren". Das Gericht nahm besondere Milderungsgründe an. Das Urteil ist nicht nicht rechtskräftig

    Eisenstadt –Ein 70-jährige Burgenländer, der im Dezember 2016 seine 58-jährige Lebensgefährtin erwürgt haben soll, ist am Donnerstag in Eisenstadt zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Ein Geschworenensenat sprach den Mann mit 5:3 Stimmen wegen Mordes schuldig. Die Frage, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war, wurde mit 8:0 Stimmen verneint.

    "Die Geschworenen sind zur Überzeugung gekommen, dass der Angeklagte hier eine Vorsatztat begangen hat", sagte der Vorsitzende des Senats, Wolfgang Rauter, bei der Urteilsverkündung. Es sei jedoch eine Vielzahl von Milderungsgründen zu berücksichtigen, die das Verschulden des Angeklagten relativierten.

    Geständnis mildernd

    Als mildernd wertete das Gericht die bisherige Unbescholtenheit des 70-Jährigen, sein Tatsachengeständnis, das "eigentlich ein reumütiges Geständnis" gewesen sei, sowie die "intellektuelle Minderbegabung" des Angeklagten. Außerdem habe man sich "im Nahbereich" der allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung (Totschlag, Anm.) befunden, diese jedoch nicht als erfüllt angesehen, erläuterte der Vorsitzende. Weiters habe auch das Verhalten des Opfers zur Tathandlung beigetragen.

    Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Der Verurteile verzichtete auf Rechtsmittel.

    Befragung lief schwierig

    Die Befragung des Angeklagten gestaltete sich für den Geschworenensenat vorab schwierig. Der 1,55 Meter große Pensionist wirkte vor Gericht sehr geknickt und gab auf die Fragen des Vorsitzenden Wolfgang Rauter bisweilen kaum hörbare, kurze Antworten.

    Seine Lebensgefährtin habe zunächst als Raumpflegerin gearbeitet, zum Teil auch bei ihm, schilderte er die Anfänge seiner Beziehung zu der Frau aus Ungarn, die er vergangenes Jahr wenige Tage vor Weihnachten erwürgt haben soll. 2008 habe sich eine feste Beziehung entwickelt. Die Frau, deren zwei Kinder in Ungarn leben, habe seither bei ihm gewohnt.

    Probleme wegen Alkoholkonsum

    Durch den Alkoholkonsum seiner Lebensgefährtin es immer wieder zu Spannungen gekommen. Ob er sie denn nie gefragt habe: "Hör mit der Sauferei auf?" wollte der Vorsitzende wissen. "Ja", antwortete der Angeklagte. Zeitweise habe sie dann auch weniger getrunken.

    "Was ist vorgefallen, was anders war als in den anderen Tagen?", versuchte Richter Rauter, die Stimmungslage beim Angeklagten am verhängnisvollen 22. Dezember herauszufinden. "Gar nichts", kam zur Antwort. "Warum verbrennen sie eine Tasche von ihr, wenn eigentlich nichts Außergewöhnliches ist?" Auch das könne er nicht mehr genau sagen, meinte der Angeklagte.

    Als es am Tattag erneut zu Streit gekommen sei und die Lebensgefährtin wieder die Tasche gesucht habe, da habe er schließlich "die Geduld verloren", meinte der Angeklagte. Auf die Frage des Staatsanwalts: "Wie lange haben sie denn zugedrückt?", antwortete der Pensionist: Er könne es nicht genau sagen. Beim ersten Mal seien es fünf Minuten gewesen, meinte er schließlich. Nachdem sich die Frau nicht mehr gerührt habe, habe er seine Cousine angerufen. Auf nochmalige Nachfrage seiner Verteidigerin meinte der Mann dann, er könne nicht mehr sagen, wie lang er zugedrückt habe.

    Hoher Blutalkoholwert

    Die medizinische Sachverständige stellte in ihrem Gutachten den Tod der Lebensgefährtin durch Erwürgen als Folge einer Kompression des Halses fest. Die 58-Jährige habe einen Blutalkoholwert von 3,22 Promille gehabt. Bei einem Menschen, der nicht an Alkohol gewöhnt sei, läge dieser Wert bereits im toxisch-letalen Bereich.

    Der psychiatrische Sachverständige erläuterte, dass kein Grund vorliege, der an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten zweifeln lasse. Bei dem 70-Jährigen sei allerdings eine Depression feststellbar. Bei der Tat handle es sich eindeutig um eine Beziehungstat mit einem ihr vorangegangenen Entschließungsprozess. Der Angeklagte habe schließlich aus einem bestimmten Kalkül heraus "diese Lösungsvariante für sich entwickelt". (APA, 22.6.2017)

    Share if you care.