Erfolge bei medikamentöser Krebstherapie

    22. Juni 2017, 13:41
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    Personalisierte Therapien bei Krebspatienten helfen auch nach Ausschöpfen aller etablierten Behandlungsmöglichkeiten, zeigen Wiener Onkologen und Hämatologen

    Wien – In einer Pionierstudie haben Onkologen vom Comprehensive Cancer Center (CCC) von AKH und MedUni Wien gezeigt, dass eine personalisierte zielgerichtete Therapie Krebspatienten auch dann noch hilft, wenn die etablierten Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Hämatologen vom CCC wollen jetzt in einer neuen Untersuchung die Auswahl der Medikamente durch eine Labor-Wirksamkeitsprüfung optimieren.

    Am Anfang dieser Entwicklung an der Wiener Universitätsklinik stand ab 2013 die sogenannte EXACT-Studie. In der Behandlung von Patienten, deren Krebserkrankung trotz der Anwendung aller bekannten und wissenschaftlich belegten Therapien fortschreitet, haben Wissenschafter der Klinischen Abteilung für Onkologie von MedUni Wien und AKH unter Gerald Prager mit personalisierten medikamentösen Therapie Erfolge erzielen können. Bei 36 von 55 Behandelten, bei denen nach der Bestimmung von möglichen Angriffspunkten für zielgerichtete Therapeutika doch noch ein weiterer Behandlungsversuch erfolgen konnte, zeigte sich ein um zumindest 30 Prozent längerer Therapieerfolg als bei der zuvor verwendeten Tumortherapie.

    Medikamentöse Therapie genau abstimmen

    Bei 59,6 Prozent der Behandelten konnte eine Krankheitskontrolle erreicht werden. 27 Prozent der Patienten zeigten einen Rückgang des Tumors, bei vier Prozent verschwand der Tumor vorübergehend komplett. Die durchschnittliche Überlebenszeit der Kranken betrug 209 Tage. Einzelne überlebten aber trotz der sehr fortgeschrittenen Krebserkrankung bis zu an die 1.000 Tage. Eine solche Strategie sei machbar, könne für manche Krebspatienten trotz schwerster Erkrankung ein deutlich längeres Überleben bei guter Lebensqualität bedeuten, sagt Onkologe Prager.

    Im Rahmen der Studie wurden nach der Einverständniserklärung der Patienten Tumor-Gewebeproben genetisch auf charakteristische Mutationen und sonstige Charakteristika untersucht. Die medikamentöse Therapie wurde dann ganz genau darauf abgestimmt.

    Die Entwicklung geht weiter. Wiener Hämatologen verfolgen jetzt bei Leukämie- oder Lymphompatienten, bei denen die Krankheit nach mehreren medikamentösen Therapien weiter fortschreitet, eine ähnliche Strategie. Zielgerichtete Arzneimittel für die folgende Behandlung werden im Labor auf ihre Wirksamkeit getestet. Erste Zwischenergebnisse sprechen für einen positiven Effekt, sagt Philipp Staber von der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie von MedUni Wien und AKH. "Wir wollen insgesamt hundert Patienten in die Studie aufnehmen und haben die Rekrutierung fast abgeschlossen". Mit einigen Unterschieden übertrage man die Prinzipien der EXACT-Untersuchung auf die Hämatologie.

    Zielgerichtete Therapie bei Blutkrebs

    Bei dieser wissenschaftlichen Untersuchung handelt es sich um die sogenannte EXALT-Studie (Extended Analysis for Leukemia/Lymphoma Treatment), in der die Möglichkeiten einer zielgerichteten Therapie bei Blutkrebs untersucht werden sollen. Es geht darum, auf der Basis von molekularbiologischen Tests jene Arzneimittel auszusuchen, welche den stärksten Effekt beim einzelnen Patienten haben.

    Bei den Probanden handelt es sich um Leukämie- oder Lymphompatienten, die schon bis zu sieben verschiedene Therapien hinter sich haben und für die es keine wissenschaftlich belegte Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt. "Mit jedem Rückfall verringert sich die Wirkungsdauer einer weiteren Therapie", sagt Staber. Die Hämatologen arbeiten bei der Studie eng mit Wissenschaftern vom CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) zusammen. Pathologen und die CeMM-Wissenschafter analysieren von den Patienten gewonnene Proben (Blut, Knochenmarkzellen oder Lymphomzellen) auf ihre Merkmale. (APA, 22.6.2017)

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