Niederösterreich will Stiftung für Shire-Mitarbeiter

22. Juni 2017, 17:56
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Landesrat Wilfing will den britisch-amerikanischen Pharmariesen in die Pflicht nehmen: Der Konzern soll eine Stiftung für Mitarbeiter einrichten

Orth an der Donau / Wien – Niederösterreichs Landesrat Karl Wilfing fordert den Pharmariesen Shire angesichts des geplanten Stellenabbaus auf, eine Unternehmensstiftung einzurichten. Shire hat am Mittwoch bis zu 650 Mitarbeiter im Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) angemeldet. "Der Schritt kam überraschend", sagte ein Sprecher des Landesrats dem STANDARD. Der Landesrat ist für den Arbeitsmarkt in Niederösterreich zuständig.

Shire will der Forderung nach einer Stiftung nicht nachkommen, eine Notwendigkeit dafür sei "nicht gegeben". Der Konzern verwies am Donnerstag auf den bereits ausverhandelten Sozialplan. "Wir können sie zu nichts zwingen", heißt es aus Wilfings Büro. Das Land selbst werde sich an der Stiftung finanziell nicht beteiligen. Wenn Unternehmen aus Kostengründen Mitarbeiter entlassen, sei es nicht die Aufgabe des Staates, die Konsequenzen aufzufangen, hieß es auf Nachfrage.

Landesrat fordert raschen Sozialplan

"Die Vorgangsweise von Shire ist für alle Betroffenen, die Region und das Land ein schwerer Schlag und in keinster Weise nachvollziehbar", sagte Wilfing. Der Landesrat fordert eine möglichst rasche Umsetzung des Sozialplans.

Dieser sieht unter anderem Outplacement-Maßnahmen vor: Betroffene sollen mit Vermittlungsangeboten innerhalb der Pharmabranche, Beratungen und Bewerbungstrainings begleitet werden. Der Plan berücksichtige auch Arbeitnehmer über 50.

"Mit dem Rücken zur Wand"

Auch Orths Bürgermeister Johann Mayer wurde am Mittwoch Vormittag mit der Ankündigung überrascht: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte Mayer. Der Abzug von Shire betreffe nicht nur zahlreiche Gemeindebürger, die für den Pharmakonzern tätig sind, er wird voraussichtlich auch ein budgetäres Loch in die Kommunalsteuereinnahmen reißen.

Laut Mayer gibt es in der Region keine vergleichbaren Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie. Seitens der Gemeinde wäre man bemüht, die Betroffenen zu unterstützen. Die Mittel dafür wären jedoch sehr beschränkt.

Ausmaß noch unklar

Das genaue Ausmaß der Kündigungen ist noch unklar. Der Entlassungsprozess soll ein Jahr andauern, dabei werde evaluiert, wie viele Stellen abgebaut oder verlagert werden. Nach Firmenangaben sind 500 Positionen betroffen, laut Informationen der Arbeiterkammer Niederösterreich wurden rund 150 weitere Stellen zur Kündigung angemeldet. Der Grund für die abweichenden Zahlen bleibt offen, Shire war am Donnerstag für keine Stellungnahme zu erreichen. (lauf, APA 22.6.2017)

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