Zahl der Organspenden in Österreich nimmt zu

    22. Juni 2017, 11:12
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    Bei durchgeführten Organtransplantationen liegt Österreich international im Spitzenfeld – dennoch gibt es lange Wartelisten

    Wien – Die Situation rund um Organtransplantationen in Österreich hat sich 2016 stabil entwickelt. Insgesamt erfolgten 780 Organverpflanzungen. Ende des Jahres waren 791 Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten der Zentren in Wien, Graz, Innsbruck und Linz. Die Zahl der Organspender konnte um rund sechs Prozent erhöht werden, heißt es im "Transplant-Jahresbericht 2016" der Gesundheit Österreich GmbH.

    Zahl der Verpflanzungen und Personen auf der Warteliste, nach Organen.

    Im Jahr 2016 wurden in Österreich 780 Organtransplantationen durchgeführt. Im vorangegangenen Jahr waren es 787 gewesen. "Im Jahr 2016 wurden in Österreich 379 Verstorbene als potenzielle Organspender gemeldet, das sind 43,6 Spendermeldungen pro Million Einwohner. In 207 Fällen wurde eine Organspende durchgeführt (23,8 Organspender pro Million).

    "Gegenüber dem Vorjahr (359 Spendermeldungen, 195 Organspender) konnte somit sowohl bei den Spendermeldungen als auch bei den tatsächlichen Organspendern eine Steigerung um rund sechs Prozent erreicht werden", erklären die Autorinnen und Autoren in dem Bericht. 2015 hatte die Quote der realisierten Organspenden 22,7 pro einer Million Einwohner betragen.

    Unterschiedliche Wartezeiten für Organe

    Ende 2015 hatten 829 Patienten in Österreich auf ein Spenderorgan gewartet, Ende 2016 waren es 791. Die Wartezeit ist von Organ zu Organ verschieden: Während man auf eine Niere im Mittel 40,6 Monate wartete, lagen die Wartezeiten bei Herz (3,3 Monate), Lunge (3,4 Monate) und Leber (2,6 Monate) unter einem Jahr. Sie waren insgesamt geringfügig kürzer als im Jahr zuvor.

    Österreichweit gibt es starke Unterschiede bei den Organspendermeldungen:

    Kärnten 42,8 pro Million Einwohner
    Tirol 29,8
    Steiermark 25,2
    Oberösterreich 24,8
    ÖSTERREICH 23,8
    Vorarlberg 23,4
    Salzburg 22,0
    Wien 21,2
    Niederösterreich 15,1
    Burgenland 10,3

    In der gesamtösterreichischen Quote von 23,8 pro Million Einwohner sind auch die Spender aus den italienischen Provinzen Bozen und Trient enthalten.

    Zwischen Anfang 2011 und Ende 2016 konnten 61 Prozent jener, die auf eine Niere warteten, transplantiert werden (Leber: 64 Prozent, Herz: 65 Prozent, Lunge: 74 Prozent und Bauchspeicheldrüse 78 Prozent). Auf der Warteliste starben vier Prozent der Patienten für eine Nierentransplantation (Leber: 13 Prozent, Herz: neun Prozent, Lunge: sechs Prozent und Bauchspeicheldrüse schließlich drei Prozent).

    Internationaler Spitzenrang

    International nimmt Österreich bei den durchgeführten Organtransplantationen einen der Spitzenränge ein: 2015 (aktuellster möglicher Datenvergleich) waren es in Spanien 103,2 pro Million Einwohner. Dann folgten die USA (96,7), Kroatien (94,5), Belgien (92,4) und Österreich (91,6). In Deutschland lag die Quote zum Beispiel nur bei 46,4 Transplantationen pro Million Einwohner.

    Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass in verschiedenen Staaten unterschiedliche Regelungen gelten. In der EU muss in Dänemark, Deutschland, Irland, Litauen, den Niederlanden, Rumänien und Zypern eine aktive Zustimmung gegeben werden, um in das Transplantationsregister aufgenommen zu werden. In Estland, Italien, Schweden und dem Vereinigten Königreich gilt ein Mischsystem aus Zustimmungs- und Widerspruchsregelung. In allen anderen EU-Staaten gilt die Widerspruchsregelung, man fällt dort also nur aus dem Register, wenn man sich bewusst deklariert. In Österreich wählten im vergangenen Jahr 2.085 Personen diese Opt-out-Möglichkeit, das war der niedrigste Wert seit 2010.

    foto: transplant-jahresbericht 2016

    Positiv ist die Entwicklung auch bei den Stammzelltransplantationen. "Im Jahr 2016 waren insgesamt rund 65.500 Stammzellspender im österreichischen Stammzell-Register erfasst. Durch die internationale Vernetzung mit anderen Registern stehen derzeit weltweit rund 30 Millionen Stammzellspenderinnen und -spender zur Verfügung und für rund 80 Prozent aller Patientinnen und Patienten in Österreich kann ein Fremdspender gefunden werden", heißt es im Bericht. Die durchschnittliche Suchdauer bis zur Identifizierung einer passenden nichtverwandten Spenderin bzw. eines passenden nichtverwandten Spenders lag im Jahr 2016 bei durchschnittlich 28 Tagen. 2016 wurden in Österreich insgesamt 564 Stammzelltransplantationen durchgeführt. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr stellt das einen Anstieg um rund fünf Prozent dar. (APA, red, 22.6.2017)

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