Kohl-Gedenkfeier: Witwenwille

Einserkastl21. Juni 2017, 17:58
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Maike Kohl-Richter wollte verhindern, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei dem europäischen Staatsakt für Kohl eine Rede hält

Witwen großer Männer – ein eigenes Kapitel. Vielleicht noch verschärft, wenn es Witwen sind, die spät in das Leben des Verstorbenen traten. Wie bei Helmut Kohl, dessen erste Ehefrau wegen einer unerträglichen Krankheit Selbstmord beging. Dem geschwächten Altkanzler trat dann die um 34 Jahre jüngere Maike Kohl-Richter an die Seite. Wie jetzt bekannt wird, wollte die Witwe verhindern, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei dem europäischen Staatsakt für Kohl eine Rede hält. Stattdessen Viktor Orbán (!). Der große Europäer Kohl sollte von Orbán, dem Feind des EU-Gedankens und von Merkels Asylpolitik, gewürdigt werden.

Ein Fall von fehlgeleitetem Witwenwillen. Der kann aber offenbar nicht ausgelebt werden, denn das Begräbnis ist keine private Angelegenheit. Es soll ein europäischer Staatsakt werden, beginnend mit einer Trauersitzung des Europäischen Parlaments im französischen Straßburg, dann mit einer Schifffahrt den Rhein hinab, mit einer Totenmesse im 1000 Jahre alten Dom von Speyer. Eine große europäische Symbolik, wenn es so kommt. Übrigens: Nach Donald Trump und Brexit entdecken die Europäer laut Umfragen wieder den Wert der EU.

Vielleicht kann Merkel – gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der auch kommen soll – diesem neuen Zuwachs an Vertrauen in Europa die angemessenen Worte verleihen. (Hans Rauscher, 21.6.2017)

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