Drogba: Klubbesitzer mit Torriecher

21. Juni 2017, 17:12
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Nach dem Gewinn der Champions League 2012 verließ Didier Drogba den FC Chelsea. Nun, im Alter von 39 Jahren, spielt der Ivorer noch immer Fußball – bei Phoenix Rising in den USA. Dort schießt der Stürmer Tore, und er plant seine Zukunft – als Klubbesitzer.

Phoenix – Die Glanzzeiten beim FC Chelsea liegen hinter ihm. Aber Didier Drogba, inzwischen 39 Jahre alt, spielt immer noch mit großem Einsatz Fußball. Er steigt im gegnerischen Strafraum in die Luft, steht gefühlt ein Stockwerk über seinem Gegenspieler und wuchtet den Ball mit einem kraftvollen Kopfstoß ins Netz – allerdings nicht mehr im europäischen Spitzenfußball, sondern in den Niederungen der zweiten nordamerikanischen Liga – für den Klub Phoenix Rising. Als Spieler und Klubbesitzer bastelt der Stürmerstar dort an seiner Karriere nach der Karriere.

Der Rekordtorschütze der ivorischen Nationalmannschaft (65 Treffer in 104 Spielen) hat auch auf der Zielgeraden seiner sportlichen Laufbahn nichts von seinem Können verlernt. Bei seinem Debüt in der Wüste Arizonas setzte er sein Markenzeichen, Sprungkraft gepaart mit Kopfballwucht, direkt gewinnbringend ein. Sein Premierentor beim 2:1 gegen die zweite Mannschaft der Vancouver Whitecaps wurde von den Fans umgehend zum Tor der Woche gewählt. Bei seinem zweiten Auftritt traf er sogar zweimal.

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"Ich hatte Angebote aus China und aus England, aber die galten nur als Spieler", sagte Drogba der BBC. "Das hier war das richtige Angebot für mich, weil es mir wichtig war weiterzuspielen, aber auch die nächste Stufe in meiner Karriere zu erreichen."

Vom Platz ins Management

Diese nächste Stufe heißt Klubbesitzer im US-Fußball. Im April unterzeichnete Drogba, der mit Chelsea viermal den englischen Meistertitel und 2012 die Champions League gewann, zum Erstaunen vieler Experten einen Vertrag beim unterklassigen Phoenix Rising. Der Inhalt: Der Ivorer steht zunächst noch eine oder zwei Saisonen auf dem Platz und wechselt dann als Mitbesitzer des Klubs ins Management. Bereits jetzt hält er einen Franchise-Minderheitsanteil. "Ein Team zu besitzen und gleichzeitig Spieler zu sein ist ungewöhnlich. Aber es wird sehr aufregend", sagte Afrikas Fußballer der Jahre 2006 bis 2009.

Phoenix hat gerade seine vierte Saison in der Western Conference der United Soccer League (USL) begonnen, der zweiten nordamerikanischen Liga. Der Verein ist einer von zwölf Klubs, die sich um einen Platz in der Major League Soccer (MLS) bewerben. Um bis zu vier Teams soll die höchste Spielklasse, die im gängigen US-System ohne Auf- und Abstieg ausgetragen wird, in den kommenden Jahren aufgestockt werden.

MLS als Ziel

"Die MLS ist sehr angetan von dem, was wir hier machen. Ganz objektiv gesehen gibt es niemanden in einer besseren Position als wir", sagte Berke Bakay dem Portal ESPN FC. Der 38-Jährige hatte den Verein im vergangenen Jahr mit einer Gruppe von Investoren gekauft und holte nun Drogba ins Boot. "Er kann uns von jeder anderen Stadt abheben, die in die MLS will", sagte Bakay.

Am Gelingen des Vorhabens besteht beim dreimaligen WM-Teilnehmer mit Côte d’Ivoire kein Zweifel. "Das ist der Anfang einer unglaublichen Reise", sagte Drogba während seiner umjubelten Vorstellung. Den Fans versprach er: "Zusammen werden wir Phoenix in die MLS bringen."

Mit Kind und Kegel

Welch großen Stellenwert dieses Projekt für Drogba hat, zeigt sich in seinem Privatleben. Nach seiner Glanzzeit beim FC Chelsea, wo er von 2004 bis 2012 spielte, tingelte der dreifache Vater aus Abidjan durch die Fußballwelt, von Schanghai über Istanbul bis nach Montreal. Seine Familie blieb bei jeder dieser Stationen in London.

Nun bringt er seine Frau Lalla Diakité mit nach Phoenix, die drei Kinder werden dort eingeschult – der einstige Weltstar bleibt dem Fußball in Arizona wohl eine Weile erhalten. Vielleicht sogar länger als damals Chelsea. (sid, red, 21.6.2017)

  • Didier Drogba (rechts, gegen Ben McKendry von den Vancouver Whitecaps II) hat seinen Kampfgeist mit nach Phoenix genommen.
    foto: apa/afp/getty images/jennifer stewart

    Didier Drogba (rechts, gegen Ben McKendry von den Vancouver Whitecaps II) hat seinen Kampfgeist mit nach Phoenix genommen.

  • Auch in Phoenix ist Drogba ein begehrter Mann.
    foto: apa/afp/getty images/jennifer stewart

    Auch in Phoenix ist Drogba ein begehrter Mann.

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