Deutsche Politik wehrt sich gegen chinesische Investoren

    21. Juni 2017, 16:50
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    Angst vor Ausverkauf deutscher Technologie an China

    Investoren aus China fällt ein Engagement in Deutschland zunehmend schwer. "Wir haben gemerkt, dass sich da eine politische Front bildet gegen chinesische Investments", sagte Wolfgang Seibold von der Beteiligungsgesellschaft AGIC am Mittwoch auf einer Branchenkonferenz in Berlin. "Wir sehen einen gewissen Widerstand seitens der europäischen Politik."

    AGIC verwaltet ein Volumen von rund einer Milliarde Dollar (rund 900 Mio. Euro), das von asiatischen und vor allem chinesischen Geldgebern kommt. Der Fonds investiert in europäische Mittelständler und hilft diesen, den chinesischen Markt zu erschließen.

    Ausverkauf gefürchtet

    In der Politik läuten Alarmglocken, da Kritiker einen Ausverkauf deutscher Technologie nach China fürchten. Die deutsche Regierung hatte sich – am Ende vergeblich – gegen die mehrheitliche Übernahme des Roboter- und Anlagenbauers Kuka durch den chinesischen Haushaltsgeräte-Hersteller Midea ausgesprochen. Im Dezember hatte ein Investor aus China den Kauf des Chipanlagenbauers Aixtron abgeblasen, nachdem die US-Regierung die Übernahme von Aixtrons US-Geschäft wegen Sicherheitsbedenken blockiert hatte.

    AGIC-Partner Seibold betonte, dass sein Fonds nicht anders vorgehe als etwa eine US-Beteiligungsfirma. AGIC trat erstmals bei der Übernahme des Kunststoffmaschinenbauers KraussMaffei 2016 durch ein chinesisches Konsortium in Erscheinung. AGIC ist bei den Münchnern Minderheitsaktionär.

    Interesse weiter hoch

    Kritiker monieren, dass Deutschland chinesischen Investoren freien Marktzugang ermögliche – dies umgekehrt aber nicht gelte. "Ein chinesisches Kuka – würde es das geben – würde nie in die Hände eines Ausländers fallen", sagte China-Expertin Cora Jungbluth von der Bertelsmann-Stiftung zu Reuters.

    Zuletzt hatte Chinas Regierung Investitionen von Unternehmen im Ausland gebremst, weil sie einen Abfluss von Kapital fürchtet. "Das Interesse aus China hat aber trotz der Währungsbeschränkungen nicht nachgelassen", sagte Rothschild-Investmentbanker Dirk Pahlke. "In dieser zusätzlichen Genehmigungsschleife ist letztlich noch keine wesentliche Übernahme hängengeblieben. Es dauert nur etwas länger." (APA, 21.06.2017)

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