Gemeinsame Schule in Vorarlberg: VP muss noch intern überzeugen

Blog22. Juni 2017, 07:00
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Die gemeinsame Schule hat in Vorarlberg eine starke und bunte Lobby. Dennoch fürchtet die Politik Abstimmungen über die Modellregion

Bregenz – Der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Gemeinsame Schule gehören in Vorarlberg 24 Vereine und Organisationen an. Darunter der Landeselternverband, die christlichen und sozialistischen Lehrervereine, die freien LehrerInnen, die LehrerInneninitiative (VLI) und auch die Unabhängige Bildungsgewerkschaft (UBG). Sie repräsentieren keineswegs "nur" die PflichtschullehrerInnen. In VLI und UBG sind zahlreiche Lehrende höherer Schulen aktiv. Sie alle setzen sich in der Arge seit zehn Jahren für die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen ein.

Linkslastigkeit kann der bunten Gruppe niemand vorwerfen, und schon gar nicht den Sozialpartnern, die in Vorarlberg für eine grundlegende Schulreform plädieren: Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer (in Vorarlberg schwarz regiert) und Gewerkschaftsbund. Die mächtigsten Befürworter der gemeinsamen Schule sitzen im Landhaus. Das Bekenntnis zur Schulreform ist im schwarz-grünen Regierungsübereinkommen festgeschrieben.

Stärker könnte eine Lobby für eine Modellregion, die zeigen will, dass im Bildungswesen ein Systemwandel möglich ist, kaum sein. Von der Landesregierung abwärts bekennt man sich zu einer Schule, die allen Kindern die gleichen Bildungschancen einräumt, von der frühen Selektion abkommt, die Kinder individuell fördert.

Professoren alter Schule

Nun, da sich die Bundesregierung mühselig auf einen Reformkompromiss geeinigt hat und für die Vorarlberger Modellregion der Weg frei ist, müsste die Freude groß sein. Doch nein, man ist verhalten. Das im Reformkompromiss vereinbarte Quorum für eine Modellregion erscheint vielen zu hochgesteckt. Anscheinend wird der Einfluss einiger ultrakonservativer Gymnasiallehrer auf die Eltern, die ja mit ihrem Votum über die Modellregion entscheiden werden, von der Politik stärker eingeschätzt als jener der reformfreudigen Lehrenden.

Hintergrund der gedämpften Freude dürfte auch die Uneinigkeit in der Volkspartei sein. Die Herren und Damen Professoren, die sich für die Langform des Gymnasiums ins Gefecht werfen, sind entweder Funktionäre der Volkspartei oder deren Wählerschaft zuzuordnen. Und auch im Landtagsklub scheint man eher wackelig hinter dem einstimmigen Landtagsbeschluss für eine Modellregion zu stehen.

Wackelige Volkspartei

Ließ doch Klubobmann Roland Frühstück während des Wiener Verhandlungsmarathons mit einer Aussendung aufhorchen. Darin schrieb der frühere Hak-Lehrer: "Sollte die Bildungsreform ohne Verquickung mit der Modellregion Vorarlberg zustande kommen, ist überhaupt nichts verloren." Man könnte ja in sechs, acht oder zehn Jahren konkret darüber entscheiden, ob die gemeinsame Schule kommen soll oder nicht, wollte Frühstück das Projekt Modellregion nächsten Politikergenerationen zuschieben.

Landeshauptmann und Parteichef Markus Wallner, der "einen langen Weg bis zur Modellregion" vor sich sieht, weil es nun gelte, die Eltern zu überzeugen, könnte die Überzeugungsarbeit im eigenen Klub beginnen. Denn die meisten Eltern sind im Bereich Schule viel weiter als die Politik. (Jutta Berger, 22.6.2017)

  • Wann die gemeinsame Schule in Vorarlberg kommen wird, ist noch ungewiss.
    foto: jonas güttler/dpa

    Wann die gemeinsame Schule in Vorarlberg kommen wird, ist noch ungewiss.

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