Was die Zwangsehe von Banken und Fintechs bringt

25. Juni 2017, 11:00
20 Postings

Eine EU-Richtlinie ebnet den Weg zu Open Banking. Banken müssen ihre Online-Schnittstellen für Drittanbieter öffnen

Wien – Der breiten Öffentlichkeit sind innovative Finanzdienstleister, auch als Fintechs bezeichnet, weitgehend unbekannt. Nur jeder fünfte Österreicher kann den Begriff richtig zuordnen, geht aus einer Umfrage des Bankenverbands und der FH Wien hervor. Dennoch, Verbandspräsident und Bank-Austria-Chef Robert Zadrazil betont die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Fintechs mit den Worten: "Wir haben keine Berührungsängste."

Mit der Einführung des Open Banking durch die EU-Zahlungsdienste-Richtlinie, die bis Jänner 2018 in nationales Recht gegossen werden soll, sind Banken de facto auch zur Kooperation mit Dritten genötigt. Kontoführende Institute werden nämlich verpflichtet, Drittanbietern wie Fintechs in gewissem Umfang Zugang zur Online-Schnittstelle zwischen Bank und Kunden zu gewähren – was bei Zadrazil dann doch gewisse Sorgen weckt hinsichtlich möglicher Nachteile bei der Neuregelung der Haftung oder Fragen der IT-Sicherheit.

Persönlicher Kontakt

Laut der Umfrage wissen nämlich drei Viertel der Kunden die Sicherheitsstandards heimischer Banken zu schätzen, für 60 Prozent ist der persönliche Kontakt zum Berater bedeutend. Wie die Banken den Spagat zwischen diesem Kundenwunsch und dem permanenten Mitarbeiterabbau – 2016 ist der Personalaufwand im Sektor um sieben Prozent gesunken – hinbekommen wollen, erklärt Zadrazil so: Online- und mobiles Banking sowie Foyers würden bei Basisleistungen Mitarbeiter entlasten, sodass Kapazitäten für anspruchsvolle Leistungen wie Finanzierung oder Veranlagung frei würden.

Laut der Umfrage bezeichnen neun von zehn Österreichern den Bedienkomfort des Online-Banking als gut – was sich deutlich von einer internationalen Erhebung des Beraters Capgemini abhebt: Ihr zufolge empfinden bloß 37 Prozent die Kundenerfahrung bei Geldhäusern als gut, bei Fintechs sind es freilich mehr als 40 Prozent. "Open Banking bietet Banken die Gelegenheit, ihren Kunden attraktive, individuelle Produkte und Dienstleistungen von Drittanbietern zu offerieren", betont Stephan Kolarik von Capgemini Österreich.

Die Zusammenarbeit ist aus seiner Sicht für beide Seiten ein Gewinn, da Banken vom Erfindungsreichtum der Fintechs profitieren und die Kundenbindung erhöhen könnten, ohne die eigene, komplexe Infrastruktur antasten zu müssen. "Die erfolgreichsten Banken werden auf Basis von Open Banking neue Ertragspotenziale generieren und mehr Informationen über ihre Kunden erhalten, während sie gleichzeitig das Kundenerlebnis verbessern", fasst Vincent Bastid, Generalsekretär des Banken- und Versicherungsnetzwerks Efma zusammen.

In Österreich wären neue Ertragsquellen wohl willkommen, denn laut Zadrazil hat sich zwar das "konjunkturelle Umfeld deutlich verbessert", die Rahmenbedingungen für Banken aber nicht. Auf die Ertragslage drückt unvermindert die Nullzinspolitik der EZB. Zudem stöhnen die heimischen Banken weiterhin unter dem gestiegenen regulatorischen Aufwand. Laut Zadrazil sind zehn Prozent der Mitarbeiter ausschließlich oder teilweise mit der Einhaltung der Vorschriften beschäftigt.

Er fordert daher diesbezügliche Erleichterungen sowie Rechtssicherheit bei neuen Vorschriften. Hohe regulatorische Belastungen könnten sonst zulasten der Kreditvergabe gehen, die übrigens 2016 um 1,8 Prozent auf 331 Milliarden Euro gestiegen ist. Ebenfalls erfreulich: Das ausstehende Volumen der Fremdwährungskredite wurde um 11,5 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro verringert. (Alexander Hahn, 25.6.2017)

  • Geldinstitute müssen im Zuge des Open Banking bald ihre Online-Schnittstellen zu Kunden für Drittanbieter wie Fintechs öffnen.
    foto: reuters/shannon stapleton

    Geldinstitute müssen im Zuge des Open Banking bald ihre Online-Schnittstellen zu Kunden für Drittanbieter wie Fintechs öffnen.

Share if you care.