Wer Bitcoins schürft, muss Steuern zahlen

24. Juni 2017, 16:00
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Der Kurs der Bitcoins jagt von einem Rekord zum anderen. Doch wer hat die Kryptowährung erfunden? Kann sie jeder erzeugen? Wo kann man sie kaufen und wo damit bezahlen?

Frage: Seit wann gibt es Bitcoins?

Antwort: Das Online-Geld wurde vor rund zehn Jahren entwickelt.

Frage: Wer hat es erfunden?

Antwort: Das ist noch immer nicht eindeutig klar. Entwickelt wurden Bitcoins von einer Person oder Gruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Der Australier Craig Wright gab sich 2016 als Erfinder aus, allerdings wurde dies bisher nie zweifelsfrei bestätigt.

Frage: Wo kann man Bitcoins kaufen?

Antwort: Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Es gibt mehrere Bitcoin-Börsen, etwa Bitcoin.de, Bitstamp oder Gemini. Gekauft werden kann ein Bitcoin in unterschiedlichen Größen. Mittlerweile gibt es in Österreich (etwa in Graz und Wien) auch mehrere Bitcoin-Automaten. Die dort erworbenen Bitcoins werden vom Automaten als Transaktion in die Blockchain gesendet.

Frage: Was ist eine Blockchain?

Antwort: Als Blockchain wird die Technologie bezeichnet, mit der die digitale Währung geschaffen wird. Die Sicherheit von Blockchain-Transaktionen gilt durch die dezentrale Speicherung und Verschlüsselung als sehr hoch. Eine Blockchain enthält eine stetig wachsende Liste von Transaktionsdatensätzen – wie bei einer Kette, die ständig um neue Elemente erweitert wird. Ist ein Block vollständig, wird der nächste erzeugt. Jeder Block enthält eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. Umgelegt auf Bitcoins bedeutet das, dass neue Einheiten des Geldes nur auf Basis der bisher erzeugten Bitcoins errechnet werden können. Man nennt diesen "Schürfprozess" Mining.

Frage: Kann jeder Bitcoins schürfen?

Antwort: Prinzipiell ja. Die Blockchain ist aber schon sehr lang, daher braucht es dafür eine hohe Rechenkapazität. Es gibt eigene Bitcoin-Miner, etwa den "AntMiner S9" von Bitmain. Mining ist auch über Clouddienste möglich. Jeder Miner wird für seine geschaffenen Anteile mit Bitcoins belohnt. Die Auszahlung der Anteile richtet sich nach der zur Verfügung gestellten Rechenkapazität. Aber: Wer Bitcoins schürft, muss auch Steuern zahlen. Denn die Finanzverwaltung geht davon aus, dass der Schürfgewinn immer steuerpflichtig ist, weil der Vorgang des Minings als gewerbliche Tätigkeit eingestuft wird.

Frage: Wie viele Bitcoins gibt es?

Antwort: Die Miner erzeugen etwa alle zehn Minuten Bitcoins. Der Betrag halbiert sich alle vier Jahre. Anfangs wurden 50 Bitcoins dem System zugeführt, dann 25 und seit Sommer 2016 sind es 12,5 Bitcoins. Damit kommen im Laufe der Zeit also immer weniger frische Bitcoins auf den Markt. Je größer die im Umlauf befindliche Menge ist, desto aufwendiger werden die Algorithmen, um neue Einheiten der Cyberwährung zu berechnen. Die maximal mögliche Zahl an Bitcoin ist auf 21 Millionen begrenzt und soll laut Schätzungen im Jahr 2140 erreicht werden. 16,3 Mio. Stück wurden bisher geschürft.

Frage: Wo kann man damit bezahlen?

Antwort: Neben manchem Shop im Internet finden Bitcoins auch in der realen Geschäftswelt Anklang. In Wien gibt es laut Coinmap 45 Akzeptanzstellen, darunter das Hotel Schani beim Hauptbahnhof, das Restaurant Tian, die Diesel's Bar oder das Kunsthaus Wien.

Frage: Wie geht das Bezahlen?

Antwort: Jeder Bitcoin-Inhaber hat eine elektronische Geldbörse ("wallet"). Beim Bezahlen wird der nötige Bitcoin-Anteil via QR-Code-Scan von einer "wallet" zur anderen transferiert.

Frage: Warum schwankt der Kurs der digitalen Währung derart?

Antwort: Der Bitcoin-Kurs erreicht derzeit ein Rekordhoch nach dem anderen, ist in der Vergangenheit aber auch schon massiv abgesackt – etwa als die auf Bitcoin spezialisierte japanische Online-Börse Mt.Gox zusammengebrochen ist. Der Kurs wird rein durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Frage: Warum wird die digitale Währung auch kritisch gesehen?

Antwort: Weil sich mit Bitcoins ein Zahlungsmittel bildet, das nicht als offizielle Währung anerkannt ist. Währungen haben bisher nur Nationalbanken oder Regierungen ausgegeben. Hier entsteht ein System ohne jegliche Aufsicht. Zudem haben sich Bitcoins als "Hacker-Währung" etabliert, weil die Anonymität hinter diesem Geld dazu geführt hat, dass Forderungen bei Erpressungen in Bitcoins gestellt werden.

Frage: Kann man mit Bitcoins – so wie etwa mit Aktien – auch handeln?

Antwort: Ja. Verkauft man seine Bitcoins aber innerhalb eines Jahres ab der Anschaffung (Spekulationsgeschäft), unterliegen diese Gewinne der allgemeinen Einkommenssteuerpflicht. Werden sie erst nach einem Jahr (ab Anschaffung) verkauft, sind die Gewinne steuerfrei. Hintergrund ist, dass Bitcoins keine Einnahmen aus Kapitalerträgen darstellen, weil sie eben keine anerkannte Währung sind. Daher werden sie als eigenständige Wirtschaftsgüter behandelt.

Frage: Gibt es neben Bitcoins noch andere Kryptowährungen?

Antwort: Laut Coinmarketcap.com gibt es aktuell 762 Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von knapp 115 Mrd. Dollar. Davon entfallen allein auf Bitcoin rund 42,6 Mrd. Dollar, sie ist also mit Abstand die bedeutendste. Bitcoins werden auch als Einstieg für andere Cyberwährungen benutzt. Wer etwa Ethereum oder Ripple kaufen will, muss erst Bitcoins erwerben, um diese in die andere Währung zu tauschen.

Frage: Welches Potenzial steckt in digitalen Währungen?

Antwort: Das ist umstritten. Kritiker sprechen gerne von einer Blase. Andererseits wird die Blockchain-Technologie auch für andere Bereiche – etwa am Finanzplatz oder in der Energiewirtschaft – erprobt. Der Schweizer Kanton Zug hingegen will statt einer Steueroase zum Crypto Valley werden. Auch verschiedene Finanzprodukte auf Bitcoins sind in Planung. (Bettina Pfluger, 24.6.2017)

  • Noch gibt es erst vereinzelt Möglichkeiten, mit Bitcoins zu bezahlen. Doch die Akzeptanz nimmt zu.
    foto: reuters/david gray

    Noch gibt es erst vereinzelt Möglichkeiten, mit Bitcoins zu bezahlen. Doch die Akzeptanz nimmt zu.

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