"Endless Space 2" im Test: Geheimtipp für galaktische Herrscher

    30. Juni 2017, 09:47
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    Das Sci-Fi-Strategiespiel kann sich mit eigenem Charakter und Balance auch gegen die Genre-Könige behaupten

    Die "Endless"-Spiele der französischen Entwickler Amplitude bemühen sich seit einigen Jahren, das global beliebte Genre der Globalstrategiespiele – auch als 4X-Spiele bekannt – zu erobern. Mit "Endless Legend" versuchte man durchaus erfolgreich, sich als Fantasy-Alternative zu den Größen des Genres wie zum Beispiel der "Civilization"-Reihe zu etablieren, die etwas ältere "Endless Space"-Reihe verlegt das Expandieren, Kolonisieren, Forschen und Kriegführen in ein buntes Science-Fiction-Universum.

    Der vor kurzem aus dem Early Access entlassene zweite Teil "Endless Space 2" (Windows, Mac, 39,99 Euro) bestätigt den Geheimtipp-Status und bietet für Freunde von "Master of Orion", "Stellaris" und "Galactic Civilizations" eine in ihren Grundelementen angenehm vertraute,aber trotzdem absolut eigenständige Alternative zu den Großen des Genres.

    Bunte Galaxie

    Komplexität ist bekanntermaßen in Spielen dieser Art Pflicht, umso besser, dass "Endless Space 2" sich gleich mit drei Tutorials als einsteigerfreundlich präsentiert. Wer das Genre kennt, kann sich im zweiten der drei gestaffelten Tutorials über die Feinheiten der "Endless Space"-Reihe aufklären lassen, absolute Anfänger haben mit dem ersten und Veteranen mit dem dritten den perfekten Einstieg. Acht stark unterschiedliche Völker kämpfen in fein konfigurierbaren Partien um die Vorherrschaft in der Galaxie durch das Erreichen einer von sechs Siegbedingungen, und die Unterschiede zwischen diesen Kontrahenten sind nicht nur kosmetischer Natur: Neben den Menschen können unter anderem auch Baumwesen, eine expansionistische Roboterzivilisation, die transdimensionalen "Riftborn" oder chaotische Horden von Cyborg-Insektenkriegern gesteuert werden. Wer mag, darf sich auch ein ganz eigenes Weltraumvolk von Grund auf neu erstellen.

    Dass die einzelnen Fraktionen unterschiedliche Schwerpunkte in Vorlieben, Strategie und Fähigkeiten haben, ist Genre-Standard, doch "Endless Space 2" versieht jede der Gruppierungen auch mit sich jeweils je nach Entscheidungen und Spielstil wandelnden Stories und sorgt so für Langzeitmotivation. Schon die einleitenden CGI-Filme jeder Fraktion zeigen, dass Amplitude großen Wert auf jeweils eigenständigen Charakter und Spielstil gelegt hat, was sich auch in unterschiedlichen Spielmechaniken äußert. Trotz dieser Unterschiede und zusätzlich möglicher individueller Spielspezialisierung entstehen kaum jemals krasse Ungleichgewichte – das zeugt von gelungenem Balancing.

    Komplexitätsmonster mit kleinen Schwächen

    Ein gewaltiger Technologiebaum, das Management von Kolonien, modifizierbaren Schiffen und einzelnen Helden sowie die allermeisten weiteren Genrestandards wie Handel, Entdeckungen oder verschiedene Staatsformen werden in "Endless Space 2" in schicker Präsentation und beeindruckender Komplexität geboten – wenn auch die spielerischen Feinheiten des etwas anders veranlagten Paradox-Konkurrenten "Stellaris" nicht übertroffen werden. In Sachen Diplomatie – ein bekannt kniffliges Problemfeld bei Spielen des Genres – gelingt allerdings auch "Endless Space 2" kein wirklich überzeugendes Verhaltensmodell, und die beeindruckend inszenierten Kämpfe zwischen Raumschiffflotten lassen sich besonders zu Beginn auch nur wenig spürbar durch ein eigenes Kartenspielsystem beeinflussen – da bot "Endless Legend" mehr taktische Tiefe.

    Diese Kritikpunkte schmälern den gelungenen Gesamteindruck allerdings nur wenig, denn "Endless Space 2" meistert sonst seine Aufgabe, den Großen des Genres auf ganz eigene Manier Paroli zu bieten, mit Bravour.Für nach Dutzenden Spielstunden abgebrühte und erfahrene Weltraumstrategen hat die KI irgendwann eher Jausengegnerstatus, doch das ist ein von vielen anderen Titeln her bekanntes Problem; wer die wahre Herausforderung sucht, darf sich deshalb auch in "Endless Space 2" im Multiplayer mit bis zu acht menschlichen Mitspielern messen. Auch voller Mod-Support sollte für Nachschub an Herausforderungen sorgen.

    endless space

    Fazit

    Wer nach Abwechslung von den großen Kultspielen des Strategiespielgenres sucht oder dieser gar überdrüssig geworden ist, findet in "Endless Space 2" den bislang gelungensten Herausforderer. In Sachen Präsentation besticht das Spiel durch Stil und Hochglanz, und auch die inneren Werte sind beachtlich. "Endless Space 2" erfindet das Rad nicht neu, zeigt aber vor allem durch seine liebevoll designten und sich stark unterscheidenden spielbaren Alien-Völker unverwechselbaren eigenen Charakter.

    Freunde von 4X-Strategietiteln finden in "Endless Space 2" einen hochkompetenten, selbstbewussten und spannenden Mitbewerber um die Genrekrone. Kenner wissen es, absolute Einsteiger seien gewarnt: Nach Absolvierung der nötigen Lernkurve warten Stunden, Tagen und Wochen Beschäftigung. (Rainer Sigl, 30.6.2017)

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      bild: endless space 2
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