Grenzen der Haftkraft von Zecken ausgelotet

21. Juni 2017, 12:26
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Forscher fanden heraus, dass die kleinen Blutsauger ein spezielles Protein in ihren Krallen aufweisen

Dresden/Kiel – Zecken verstehen es meisterlich, sich an ihren Opfern festzusetzen. Dabei hilft ihnen ein spezielles Protein, das man zwar schon bei vielen Gliederfüßern gefunden hat – aber noch nie in deren Krallen. Dagmar Voigt vom Institut für Botanik der Technischen Universität Dresden (TUD) und Stanislav Gorb von der Universität Kiel nahmen die lästigen Blutsauger genauer unter die Lupe und testeten deren Haftvermögen in Schleudergängen.

Hintergrund

Zecken beziehungsweise offiziell Gemeine Holzböcke (Ixodes ricinus) lauern auf Grashalmen, im Gebüsch oder im Unterholz auf ihre Opfer. Sie haben ein sehr feines Gespür für Körperwärme, Atemluft und nahende Schritte. Die Winzlinge können nicht springen und fallen auch nicht von Bäumen herab, sondern klettern höchstens 1,5 Meter hoch und lassen sich abstreifen. Da sie etwas Luftfeuchtigkeit benötigen, sitzen die Spinnentiere lieber am Waldrand, im feuchten Unterholz oder auf schattigen Wiesen als auf offenem, kurzen Rasen.

Sie besitzen gekrümmte, spitze Krallen mit einem Haftpolster dazwischen, mit dem sie sich auf ebenen Substraten wie Haut und Glas halten können. Die Krallen ermöglichen das Verhaken an rauen Oberflächen wie etwa Haaren.

Große Haftkraft

Weibliche Zecken haben größere Klauen und Pads. Ihre männlichen Artgenossen kommen mit kleineren Füßen klar, weil sie sich – ausgenommen vom Paarungsakt – kaum auf Wirten aufhalten. Weibchen vermögen sich mit einer Kraft an glatten Glasoberflächen festzuhalten, die dem 500-fachen ihres Körpergewichts entspricht. Das bietet Sicherheit – immerhin kann ihr Gewicht beim Blutsaugen um das 135-fache zunehmen.

Bei der Untersuchung zeigte sich die entscheidende Rolle des Proteins. "Dass nicht nur das Haftkissen, sondern auch die transparenten Krallen fast vollständig mit dem elastischen Protein Resilin gefüllt sind, ist eine Überraschung", sagt Voigt. Resilin ist eine Art Supergummi. Es kommt in der Natur oft vor, vor allem Insekten machen sich die hohe Elastizität des Proteins zunutze – Libellen zum Beispiel in Gelenken, die so Millionen Flügelschläge aushalten. Flöhe nutzen es in kurzzeitigen Energiespeichern der Hinterbeine für ihre Sprünge.

Wo die Zecke den Boden unter den Füßen verliert

Was die Haftung angehe, seien die Zecken durch eine Kombination von weichen Pölstern und scharfen Krallen fast Alleskönner – "aber nur fast", sagt Gorb. Auf Silikon und mikrorauen Kunstharzoberflächen können sie sich nicht halten, berichtet das Forscher-Duo im "Journal of Experimental Biology". Das könne Ansätze liefern für die Entwicklung abweisender Materialien, Lösungen oder Cremes mit Mikropartikeln. (APA, red, 21. 6. 2017)

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