Kassen zahlen in Einzelfällen Blutzuckermessung mit Handy-Anzeige

21. Juni 2017, 11:08
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Ein System zur Messung des Blutzuckerspiegels mittels Sonde im Unterhaut-Fettgewebe und App-Anzeige könnte in Einzelfällen bald von den Krankenkassen übernommen werden

Ein vor kurzem in Österreich eingeführtes System für Diabetes-Patienten zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) mit Smartphone-Anbindung kann in Zukunft von den Krankkassen unter bestimmten Voraussetzungen bezahlt werden. "Der Hauptverband der Sozialversicherungen hat für die Erstattungsfähigkeit grünes Licht gegeben", hieß es jetzt in einer Aussendung des Medizintechnik-Konzerns Medtronic.

Bei einem CGM-System wird von den Patienten selbst ein winziger Sensor unter der Haut eingebracht. Dieser misst den Glukosewert anhand der Flüssigkeit unter der Haut und ist mit einem Sender verbunden, der die Messungen alle fünf Minuten – insgesamt 288 Mal pro Tag – und damit quasi in Echtzeit an einen Empfänger sendet, etwa ein Smartphone oder iPod.

Dank einstellbarer Warntöne können Patienten rechtzeitig bemerken, wenn ihr Glukosespiegel über oder unter dem voreingestellten Grenzwert liegt und reagieren, bevor eine Über- (Hyperglykämie) oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) eintritt. Das System sei derzeit das einzige mit einstellbaren SMS-Nachrichten. Diese ermöglichen auch betreuenden Personen – zum Beispiel Eltern oder Partnern – per SMS auf ein Mobilgerät über zu hohe oder zu niedrige Glukosewerte benachrichtigt zu werden. Akut gefährlich sind vor allem Hypoglykämien, die in den schwersten Fällen mit Hirnschäden oder sogar dem Tod enden können.

Zusätzliche Sicherheit

"Diese Entwicklung bringt auch für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes große Vorteile", sagt dazu Diabetologin Elke Fröhlich-Reiterer (Department für Allgemeine Pädiatrie an der Medizinischen Universität Graz), die in Österreich den ersten Testlauf des Systems durchgeführt hat. "Eltern können den Glukoseverlauf ihres Kindes jetzt über das Handy beobachten und bei Bedarf entsprechend reagieren. Und für Jugendliche ist es eine interessante Zusatzinfo zu erfahren, wie sich ihre Glukosewerte in der Zeit entwickeln, in der sie früher nicht gemessen haben. Das Gerät gibt ihnen generell zusätzliche Sicherheit."

Eine allfällige Kostenerstattung für das System ist laut Hauptverband möglich. Allerdings müssten die einzelnen Krankenkassen erst ihre eigenen Regeln dafür aufstellen, hieß es. Laut Österreichischer Diabetes Gesellschaft (ÖDG) sollten solche Systeme besonders für Patienten eingesetzt werden, die trotz sonst optimierter Insulintherapie den Zielbereich für ihren mittelfristigen Blutzuckerspiegel nicht erreichen und schwere Hypo- oder Hyperglykämie-Episoden haben.

Dazu gehören auch Schwangere mit einem solchen Risiko und Kleinkinder, weil bei ihnen eine "Unterzuckerung" oft schlecht wahrgenommen wird. Neben dem Medtronic-System gibt es auch andere derartige Verfahren mit dem Prinzip der praktisch kontinuierlichen Blutzuckermessung aus der Flüssigkeit im Unterhautfettgewebe. (APA, 21.6.2017)

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