Brüssel-Attentäter soll aus Problemviertel Molenbeek stammen

21. Juni 2017, 11:02
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Attentäter am Zentralbahnhof von Sicherheitskräften erschossen, keine weiteren Opfer

Brüssel – Der mutmaßliche Attentäter vom Brüsseler Zentralbahnhof ist identifiziert. "Die Identität des Terroristen ist bekannt, wir konnten ihn identifizieren", sagte Belgiens Innenminister Jan Jambon am Mittwoch dem Fernsehsender RTBF. Weitere Einzelheiten nannte er zunächst nicht.

Es sei noch zu früh, den Namen des Täters bekanntzugeben, zudem wolle man die Ermittlungen nicht behindern, erklärte Jambon laut der Zeitung "Le Soir". "Wir müssen nun auch schauen, wie sich der Mann radikalisieren konnte."

Bombe mit Nägeln

Laut der Zeitung "De Tijd" soll es sich bei dem Täter um einen 37-Jährigen aus der Brüsseler Gemeinde Molenbeek handeln. Er könne eine Verbindung mit Molenbeek nicht bestätigen, schrieb der Innenminister auf Twitter. "Doch wir kennen die Situation dort seit Jahren", daher werde das auch nicht in zehn Monaten gelöst werden. Laut dem TV-Sender VRT hatte der Attentäter eine mit Nägeln versehene Bombe bei sich, um durch die Explosion möglichst viele Menschen zu verletzen.

Jambon hat auf Twitter angekündigt, dass die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen aufrecht bleiben. Laut der Boulevardzeitung "La Dernière Heure" soll der Täter mit Vornamen Oussama heißen, "De Tijd" schrieb, er sei wegen Sexualstraftaten gerichtsbekannt.

Der Mann sei bisher nicht im Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten aufgefallen, allerdings sei er wegen Drogenvergehen polizeibekannt, schrieb ein Journalist der Zeitung "La Libre Belgique" auf Twitter.

Islamisten-Rückzugsgebiet

Molenbeek gilt als Rückzugsgebiet für Islamisten. Einige der mutmaßlichen Attentäter von Paris und Brüssel 2015 und 2016 hatten dort Unterschlupf gefunden. Auch der Führer der Nordallianz in Afghanistan und Taliban-Gegner Ahmed Shah Massoud war kurz vor den Al-Kaida-Anschlägen vom 11. September 2001 von zwei Selbstmordattentätern aus Molenbeek getötet worden.

Einem Angestellten der Bahn zufolge soll der Mann sich im Bezug auf den Jihad geäußert und im Augenblick der Explosion "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben, berichtete "Le Soir".

Brüssel entging dabei am Dienstagabend womöglich nur knapp einem schweren Anschlag. Sicherheitskräfte hatten im Zentralbahnhof den Verdächtigen niedergeschossen, der kurz zuvor eine kleinere Explosion ausgelöst haben soll. Die Staatsanwaltschaft teilte später mit, dass es sich um einen Terroristen gehandelt habe. Er erlag noch am Dienstagabend seinen Verletzungen. Weitere Opfer gab es nicht.

Die Nachrichtenagentur Belga berichtete, der Mann sei, nachdem er niedergeschossen worden war, zunächst lange im Bahnhof auf dem Boden gelegen. Sprengstoffexperten wollten demnach überprüfen, ob er noch eine Bombe am Körper trug. Zuvor war der Verdacht geäußert worden, dass er einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt habe. Später gab es aber Hinweise, wonach ein Koffer zur Explosion gebracht wurde.

Der Anschlag ereignete sich weit nach der Hauptverkehrszeit, dennoch wurden hunderte Passagiere in Sicherheit gebracht. Bahnsprecherin Elisa Roux sprach von Panik unter den Reisenden. "Menschen weinten, es gab Menschen, die schrien." Der Bahnhof wurde geräumt, Polizei und Armee riegelten die umliegenden Straßen ab, der Verkehr in der Innenstadt kam zum Erliegen. Die Polizei sicherte auch den Grand-Place im Zentrum. Das Brüsseler Krisenzentrum erklärte später, die Situation sei wieder unter Kontrolle. Am Mittwochvormittag wurde auch der Zentralbahnhof wieder geöffnet und für den Verkehr freigegeben.

Die Terrorgefahr in Brüssel wird seit den Anschlägen auf den Flughafen und eine U-Bahn-Station im EU-Viertel im März 2016 als hoch eingeschätzt. Dabei waren 32 Menschen getötet worden, die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" bekannte sich zu den Taten. Die Täter gehörten der gleichen Zelle an wie diejenigen, die für die Anschläge von Paris im November 2015 mit 130 Toten verantwortlich waren.

Europäische Hauptstädte wurden in den vergangenen Tagen von mehreren Anschlägen erschüttert. Am Montag war ein Mann nahe einer Moschee in London mit einem Auto in eine Gruppe von Muslimen gerast. Am selben Tag rammte ein als Islamist bekannter Mann in Paris ein mit Sprengstoff beladenes Auto in ein Polizeifahrzeug. (APA, 21.6.2017)

  • Der Attentäter wurde nach einer Explosion erschossen.
    foto: ap/remy bonnaffe

    Der Attentäter wurde nach einer Explosion erschossen.

  • Die Polizei war mit einem Großaufgebot zur Stelle.
    foto: ap photo

    Die Polizei war mit einem Großaufgebot zur Stelle.

  • Auch belgische Soldaten sichern das Areal ab.
    foto: afp photo / emmanuel dunand

    Auch belgische Soldaten sichern das Areal ab.

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