"Elektra": Die gnadenlose Wucht des Grauens

    20. Juni 2017, 15:21
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    Wiederaufnahme von Richard Strauss' Oper in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg

    Wien – Es war der Abend der Waltraud Meier – einerseits, denn der Mezzosopranistin wurde nach etwas mehr als 30-jähriger Präsenz im Haus mit insgesamt fast 150 Abenden im Anschluss an die Vorstellung die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Staatsoper verliehen. In Richard Strauss' Elektra verkörperte die 61-Jährige erstmals die Klytämnestra, mit aller von ihr gewohnter Robustheit und einer unvermindert staunenswerten Stimmkultur, die sie ihre mächtige Dramatik jederzeit flexibel und rund zurücknehmen lässt.

    Es war – andererseits – aber auch der Abend eines homogenen und eindrücklich mit dem Orchester abgestimmten Ensembles in der zwei Jahre alten, bilderstarken, doch personenkonzentrierten Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg.

    Emotionale Begegnung

    So wie die Regie inmitten der gnadenlosen Wucht des Grauens der Geschichte stark auf emotionsgeladene Begegnungen setzt (und damit manchmal vernachlässigte Stränge des Musikdramas betont), so zeigten auch die Sängerinnen und Sänger allesamt menschelnde Züge anstatt bloßer schreiender Monstrosität.

    In der Titelpartie zeichnete die warm strömende, dabei heftige Ausbrüche integrierende Nina Stemme das Charakterbild einer verletzten, dabei blindwütigen Seele; als deren Gegenpol-Schwester Chrysothemis vermittelte Regine Hangler das Mädchenhaft-Leichtfüßige mit herben Abgründen.

    wiener staatsoper

    Wie immer markant stemmte der unverwüstliche Herbert Lippert den Aegisth; differenziert gestaltete Alan Held sein Rollendebüt als Orest: von fahler Fragilität bis hin zu kraftvoller Wut. Für die Basis des Ganzen sorgte am Pult des zu Bestform auflaufenden Staatsopernorchesters Michael Boder und entfesselte die nötige Wucht bis fast an die Schmerzgrenze (was das Stück auch braucht), malte jedoch auch ungeheuer plastisch das Tänzerische und Strahlend-Heroische, sorgte für Klarheit der Linien, Plastizität der Motive und stete klangliche Brillanz.

    Die ungeteilte Zustimmung des Publikums war jedenfalls allen Beteiligten gewiss. (Daniel Ender, 20.6.2017)

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    • "Elektra" an der Wiener Staatsoper.
      foto: wiener staatsoper / michael pöhn

      "Elektra" an der Wiener Staatsoper.

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