Schon geringe Lärmbelastung schadet der Gesundheit

20. Juni 2017, 15:00
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Flug- und Straßenverkehrslärm erhöhen das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Diabetes. Das zeigt eine umfassenden Schweizer Studie

Bern/Basel – Lärm bedeutet Stress, vor allem, wenn er den Schlaf stört. Stress und Schlafstörungen wiederum wirken auf den Körper und haben Folgen für die Gesundheit. Wie groß die kurz- und langfristigen Effekte von Verkehrslärm auf die Schweizer Bevölkerung sind, untersuchen Forschende im Rahmen einer SiRENE-Studie unter Leitung des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH).

Flug-, Schienen- und Straßenverkehrslärm erhöhen das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Diabetes – und das schon ab vierzig Dezibel, was relativ leise ist. Demnach steigt das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, um vier Prozent pro zehn Dezibel Zunahme der Straßenlärmbelastung. Auch das Risiko für Bluthochdruck und Herzinsuffizienz steigen mit dem Lärmpegel vom Straßenverkehr.

Zusammenhang mit Straßenlärm

Dass Lärm das Risiko für Herzkreislauferkrankungen erhöht, ist zwar bekannt. Neu an der nun vorliegenden Studie sei jedoch, dass erstmals alle drei Transporttypen – Flug-, Schienen- und Straßenverkehr – beleuchtet wurden, erklärte Martin Röösli vom Swiss TPH. Der Zusammenhang der Herzkreislauferkrankungen mit Straßenverkehrslärm stellte sich dabei am deutlichsten heraus, wie die Forschenden unlängst im Fachblatt "European Journal of Epidemiology" berichteten.

"Wir haben praktisch keine untere Schwelle gefunden: Schon ab vierzig bis 45 Dezibel finden wir Auswirkungen", sagt Röösli. Früher dachte man, Lärm habe erst ab etwa 55 Dezibel negative Folgen für die Gesundheit. 40 bis 45 Dezibel entsprechen etwa der Lautstärke leiser Musik oder gewöhnlicher Wohnungsgeräusche.

Auch Stoffwechsel leidet

Aber nicht nur das Herz leidet unter dem Stress durch Lärm: Auch der Stoffwechsel wird in Mitleidenschaft gezogen. So erhöht sich durch Verkehrslärm auch das Risiko für Diabetes, berichteten Wissenschafter um Nicole Probst-Hensch vom Swiss TPH kürzlich in der Fachzeitschrift "International Journal of Epidemiology".

"Dabei spielen zwei Mechanismen eine Rolle", sagt Probst-Hensch. Einerseits beeinflusse die chronische Ausschüttung von Stresshormonen den Insulinstoffwechsel. "Andererseits ist bekannt, dass Schlafprobleme langfristig den Metabolismus negativ beeinflussen."

Die SiRENE-Studie beruht auf Daten aus repräsentativen Umfragen, experimentellen Studien im Schlaglabor, einer schweizweiten Modellierung des Lärms von Flug-, Schienen- und Straßenverkehr, sowie aus Schweizer Kohortenstudien zu Gesundheitsrisiken (Nationale Kohortenstudie und SAPALDIA).

An dem vom Schweizerischen Nationalfonds und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) unterstützten Projekt arbeiten Forschende des Swiss TPH, der Forschungsanstalt Empa, der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, der n-Sphere AG sowie vom BAFU zusammen. (APA/sda, 20.6.2017)

  • Fluglärm schafft Schlafprobleme – und kann die Gesundheit gefährden.
    foto: dpa/frank rumpenhorst

    Fluglärm schafft Schlafprobleme – und kann die Gesundheit gefährden.

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