Suizidprävention: Aufklärung im Internet kann helfen

    20. Juni 2017, 10:29
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    Erfahrungsberichte im Internet über Bewältigungsstrategien für suizidale Gedanken, haben eine positive Wirkung – den "Papageno-Effekt". Das bestätigt eine Studie der MedUni Wien

    Wien – In der Suizidforschung weiß man seit langem, dass sensationsorientierte Berichterstattung über Suizide gefährdete Menschen zur Nachahmung anregen kann. Man spricht dann vom "Werther-Effekt". Wenn aber Betroffene in Medien über ihre Bewältigungsstrategien für suizidale Gedanken erzählen, hat das eine positive Wirkung, den "Papageno-Effekt". Dieser Begriff wurde in früheren Studien des Zentrums für Public Health an der MedUni Wien in Anlehnung an Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel "Die Zauberflöte" geprägt. Hier trägt sich Papageno im Glauben um den Verlust seiner geliebten Papagena mit Selbsttötungsabsichten, von denen ihn die "Drei Knaben" durch Hinweise, was er anstelle des Suizids machen könne, schließlich doch noch abbringen.

    Das Forscherteam rund um Thomas Niederkrotenthaler von der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin des Zentrums für Public Health an der MedUni Wien hat sich gefragt, inwiefern Präventionsseiten einschlägiger Hilfsorganisationen einen Einfluss auf die Suizidalität haben. Dazu wurden 161 in Österreich lebende, junge Erwachsene nach Zufallsprinzip ausgewählt, um eine professionelle Webseite zum Thema Suizidprävention oder eine Kontrollwebseite zu besuchen. Unmittelbar vor und nach Lektüre der Webseiten sowie eine Woche später wurden psychologische Tests und Interviews durchgeführt.

    Wissen über Suizidprävention

    Das Resultat der Studie ist, dass die Suizidgefährdung mittels dieser edukativen Webseiten tatsächlich reduziert werden kann, und zwar besonders bei jenen Personen, die eine höhere Anfälligkeit für Suizid aufweisen. Aus der Studie ist auch ablesbar, dass es nach der Lektüre zu einem nachhaltig größeren Wissen über Suizidgefährdung und Suizidprävention kommt.

    Thomas Niederkrotenthaler, Leiter der Unit Suizidforschung: "Wir haben diese Studie mit Personen durchgeführt, die insgesamt ein geringes Suizidrisiko hatten. Die Ergebnisse bestärken uns darin, in einer Folgestudie nun direkt die Effekte in einer Risikogruppe zu untersuchen." Erstautor Benedikt Till von der MedUni Wien: "Basierend auf unseren Ergebnissen könnte gerade unter vulnerablen, also anfälligen, Personen der suizidpräventive Effekt besonders stark sein. Die Folgestudie ist bereits in Vorbereitung und wird sich einer vulnerablen Gruppe annehmen." Die Experten und Expertinnen des Zentrums für Public Health empfehlen Betroffenen und Interessierten das neue Suizidpräventions-Portal. Dieses ist in das Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen eingebettet. (red, 20.6.2017)

    Originalpublikation:

    "Beneficial and harmful effects of educative suicide prevention websites: randomised controlled trial exploring Papageno v. Werther effects"


    Wer gegenüber einem anderen Menschen auch nur den leisesten Verdacht auf eine Gefährdung vermutet, sollte den Betroffenen offen darauf ansprechen, raten Experten.

    Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben:

    kriseninterventionszentrum.at

    Soforthilfe:

    Unter dieser Nummer erhalten Sie qualifizierte und rasche Hilfestellung rund um die Uhr: Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

    Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

    Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

    Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

    Telefonseelsorge (0–24 Uhr, kostenlos): 142

    Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

    Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40

    Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

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