Spanien schreibt Hilfsgelder für Banken ab

19. Juni 2017, 17:28
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Die Nationalbank sieht keine Chance, Geld zurückzuholen. Bei Banco Popular rollt eine Klagslawine an

Sie sind futsch. Rund 60,6 Milliarden Euro, die Spanien zwischen 2008 und 2014 für Bankenrettungen aufwandte. Wie aus einem 257-seitigen Bericht der Banco de España (BdE) hervorgeht, sind mehr als 80 Prozent der Hilfsgelder (gesamt 76,4 Milliarden Euro) nicht mehr zurückzuholen.

Die Restrukturierung des Finanzsystems mündete in einer Konzentration. Von 45 Sparkassen und Banken zum Auftakt der Immobilienkrise sind neun übriggeblieben. Die "großen drei", Banco Santander nach der Notübernahme der Banco Popular, Erste-Bank-Aktionär Caixa Bank und BBVA, halten über die Hälfte der Marktmacht. Die Filialzahl sank von 45.000 auf 31.000, die der Mitarbeiter gar um 73.000. "Der Sektor ist besser für künftige Krisen gewappnet", heißt es im BdE-Bericht, der zum Auftakt der parlamentarischen Untersuchung über die Bankenkrise publik wurde.

Doch dass die Wunden am Finanzplatz nicht vernarbt sind, zeigte das Banco-Popular-Fiasko. Dem EU-Frühwarnsystem für Banken, aber vor allem dem Volumen der Banco Santander ist es zu verdanken, dass die sechstgrößte Bank Spaniens vor knapp zwei Wochen ad hoc um einen symbolischen Euro geschluckt wurde – und bis dato keine Staatsgelder flossen. Die Banco Santander braucht nun eine sieben Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung und hält 40 Prozent der gesamten toxischen Immobilienaktiva Spaniens (27,7 Milliarden von 70 Milliarden Euro) – mehr als die staatliche "Bad Bank" Sareb.

Eine Melange an Risikofaktoren wie das drohende Katalonien-Referendum über dessen Unabhängigkeit am 1. Oktober sowie der wankende Rückhalt der wegen Korruptionsskandalen erschütterten PP-Minderheitsregierung dämpft der Investoren Appetit. Sie setzen vielmehr auf Kursstürze, das sogenannte Short Selling. Derartige Positionen summieren mehr als sechs Milliarden Euro. Wobei kürzlich die Wertpapieraufsicht CNMV diese Praxis bei der kriselnden Liberbank untersagte.

Ein Schritt, den die CNMV bei der Banco Popular setzen hätte sollen, lamentieren rund 300.000 Aktionäre, die ihr Geld verloren. Short-Selling-Spekulanten, primär Hedgefonds, pokerten nämlich hoch auf den absehbaren Absturz der Bank. Nun rollt eine milliardenschwere Klagslawine an. Vier renommierte US-Anwaltskanzleien und der Konsumentenschutz OCU streben unter dem Argument, man habe Anleger getäuscht, Gerichtsverfahren an.

Kein Einzelfall, denn die BdE ortete im eingangs erwähnten Bericht 70 "illegale Operationen" um den Rettungs- und Fusionsreigen. Die wenigsten hatten ein gerichtliches Nachspiel. Wegen Betrugs um den Bankia-Börsengang im Juni 2011 drohen Ex-IWF- und Ex-Bankia-Chef Rodrígo Rato fünf Jahre Haft. Es ist nur einer von vielen Prozessen um die 24 Milliarden Euro schwere Rettung der weitgehend verstaatlichten Großbank. (Jan Marot aus Granada, 20.6.2017)

  • Seit der Übernahme der Banco Popular durch Santander vereinigen die drei größten Banken  des Landes die Hälfte des Marktes auf sich.
    foto: reuters / juan medina

    Seit der Übernahme der Banco Popular durch Santander vereinigen die drei größten Banken des Landes die Hälfte des Marktes auf sich.

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