Klebriger Trick: Wie Glattbauchspinnen ihre großen Verwandten erlegen

Video19. Juni 2017, 17:00
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Mit einer raffinierten Technik jagen Gnaphosidea deutlich größere Spinnen. Forscher der Uni Kiel zeigten nun, wie sie dabei vorgehen

Kiel – Mit speziellen Fäden und einer ausgeklügelten Technik jagen einige Glattbauchspinnen (Gnaphosidea) deutlich größere Spinnen. Dieses Verhalten haben Biologen der Universität Kiel mit Kollegen nun auf Videos festgehalten und im "Journal of Experimental Biology" beschrieben. Glattbauchspinnen (auch Plattbauchspinnen genannt) jagen ihre Beute ohne die Hilfe von Netzen.

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In älterer Fachliteratur gebe es bereits Hinweise auf die spezielle Technik der Glattbauchspinnen, sagte Studienautor Jonas Wolff. "Darin wurde geschildert, dass diese Spinnen andere Spinnen angreifen und mit Bändern aus klebriger Seide überziehen. Was genau hier vor sich geht, konnten die früheren Autoren allerdings nicht klären, da die Attacken sehr schnell sein können."

Gefilmter Angriff

Die Forscher sammelten verschiedene Arten von Glattbauchspinnen, darunter Scotophaeus scutulatus und Drassodex heeri, in verschiedenen europäischen Ländern. Anschließend nahmen sie das Verhalten der Tiere genauer unter die Lupe, indem sie sie mit potenziellen Beutetieren wie etwa anderen Spinnen oder Grillen kämpfen ließen.

So fing Wolff beispielsweise bei einer Exkursion in den Südalpen einige Exemplare von Drassodex heeri. Die Art kommt in einigen Teilen Europas vor und hat eine Körperlänge von etwa zehn bis 16 Millimetern (Scotophaeus scutulatus: sieben bis 16 Millimeter). Im Labor studierte Wolff das Jagdverhalten von D. heeri in der Video-Zeitlupe. "Zum Glück zeigten die Tiere das Beutefang-Verhalten im Labor auch unter der starken Beleuchtung des Video-Setups, wenn man ihnen andere Spinnen vorsetzte."

Dehnbarer Superkleber

Statt wie andere Spinnen bei großer und wehrhafter Beute die Flucht zu ergreifen, gehen die Glattbauchspinnen zum Angriff über, so der Wissenschafter. Sie heften Klebfäden an den Boden und laufen dann um die Beute herum. Dabei werden die Fäden aus den Spinnwarzen gezogen und bleiben an Boden und Körperteilen der Beute kleben.

Zum Teil wenden die Glattbauchspinnen der Beute auch ihr Hinterteil zu und versuchen, die abgegebenen Fäden um Beine und Mundwerkzeuge des Opfers zu wickeln. "Der Klebstoff härtet innerhalb von weniger als einer Sekunde aus, bleibt aber im Gegensatz zu einem Sekundenkleber sehr dehnbar und ist damit äußerst zäh und schwer zu lösen", so Wolff.

Für ihr Jagdmanöver nutzen Glattbauchspinnen eine spezielle Seidenart. Die wird normalerweise von Spinnen genutzt, um strukturgebende Fäden stabil auf einer Oberfläche zu befestigen. Das ist beispielsweise wichtig für den Bau von Netzen. "Daher hat es uns überrascht, dass die Gnaphosiden diese Fähigkeit fast vollständig verloren haben – zu Gunsten ihrer äußerst effizienten Beutefangtechnik." Das sei ein gutes Beispiel für einen Funktionswandel, der wesentlich zur Diversifizierung der Lebensformen beitrage. (APA, 19.6.2017)

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