Fußball: Aufregung um angedachte revolutionäre Regel-Änderungen

18. Juni 2017, 13:31
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Nettospielzeit nur noch zweimal 30 Minuten? Ideenpapier des International Football Association Board sorgt für Aufregung

Moskau – Dauert ein Fußballspiel in Zukunft nur noch 60 statt 90 Minuten? Und muss eine Mannschaft bald auch einen Punkteabzug befürchten, wenn sie sich zu heftig beim Schiedsrichter beklagt? Mit einer Ideensammlung unter dem Titel "Play Fair!" haben die Regelhüter des International Football Association Board (Ifab) am Rande des Confed Cups für Diskussionen gesorgt.

Allerdings wird es eine Revolution des Spiels in absehbarer Zeit wohl nicht geben. Vielmehr werden einige harmlose Inhalte des Strategiepapiers bereits beim Confederations Cup umgesetzt. Andere Punkte sind nicht mehr als reine "Ideen zur Entwicklung des Spiels", wie es in der Einleitung des zwölfseitigen Dokuments heißt.

Das Ifab ist ein achtköpfiges Gremium, das aus vier Mitgliedern des Weltverbandes Fifa und je einem Vertreter der Fußball-Urverbände England, Nordirland, Schottland und Wales besteht. Allein diese Instanz berät und beschließt Regeländerungen im Fußball – wenn am Ende sechs der acht Mitglieder zustimmen. Das Gremium braucht traditionell viel Zeit: Bis zur Einführung der Torlinientechnik oder der Modifizierung der umstrittenen Dreifachbestrafung vergingen viele Jahre.

Das neue Strategiepapier ist unterteilt in Punkte, die bereits im Rahmen des bisherigen Regelwerks umgesetzt oder für eine Testphase freigegeben werden können. Dazu gehören die längeren Nachspielzeiten, die die Fifa bereits für den Confed Cup angekündigt hat.

Und dann gibt es noch einige tatsächlich revolutionär anmutende Ideen, die das Ifab für einen Zeitraum von 2017 bis 2022 "zur Diskussion" gestellt hat, wie es in dem Papier heißt.

  • Eine effektive Spielzeit von nur noch zweimal 30 Minuten, in der der Schiedsrichter die Uhr allerdings ähnlich wie beim Eishockey bei jeder Spielunterbrechung anhalten muss.

  • Eine rote Karte für jeden Spieler, der ein Tor vorsätzlich mit der Hand erzielt.

  • Ein noch härteres, radikales Durchgreifen, falls der Schiedsrichter von den Spielern "gemobbt", sprich hart bedrängt wird, wie es in dem Papier heißt. Das könnte dazu führen, dass in strittigen Situationen künftig nur noch der Kapitän einer Mannschaft mit dem Schiedsrichter reden darf. Oder besonders schwere Fälle des "Mobbings" sogar mit Punkteabzügen oder Geldstrafen geahndet werden.

Nach eigenen Angaben möchte das Ifab damit vor allem zwei Dinge bewirken: dass es auf dem Rasen fairer und respektvoller zugeht. Und dass die Nettozeit eines Spiels deutlich erhöht wird.

Das "Play Fair!"-Papier ist allerdings auch nur im Kontext des Fifa-Reformprozesses zu verstehen, in dem der neue Präsident Gianni Infantino den Eindruck erwecken will, alles im Fußball auf den Prüfstand stellen und neu zu denken – in Abgrenzung zu seinem gestürzten Vorgänger Joseph Blatter, der Regelreformen traditionell blockierte.

Dazu gehört auch, dass der frühere Weltklassestürmer Marco van Basten von Infantino im September 2016 zum Fifa-Beauftragten für "Technische Entwicklungen" ernannt wurde. Der Europameister von 1988 dachte daraufhin schon vier Monate später laut über die Abschaffung der Abseitsregel oder die Einführung von Zeitstrafen statt gelber Karten nach. Bei einer Pressekonferenz zur Eröffnung des Confed Cups rückte van Basten von beiden Ideen aber schon wieder ab: "Das ist etwas für die Zukunft. Das ist im Moment kein Thema." (APA, 18.6.2017)

  • Die Schiedsrichter könnten durch neue Regeln in Zukunft besser geschützt werden.
    foto: reuters/andres stapff

    Die Schiedsrichter könnten durch neue Regeln in Zukunft besser geschützt werden.

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