Bilanz: Vermutlich 58 Tote bei Hochhausbrand

17. Juni 2017, 13:48
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May beruft Sondersitzung ein – Ursachen der Brandkatastrophe sollen öffentlich Untersucht werden

London – Bei dem Hochhausbrand in London geht die Polizei mittlerweile von 58 Toten aus. Das teilte die Behörde am Samstag in der britischen Hauptstadt mit Verweis auf Vermisstenmeldungen mit. Zuvor waren 30 Tote bestätigt gewesen. Berichten zufolge lebten zwischen 400 und 600 Menschen in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau.

Polizeichef Stuart Cundy sagte am Samstag, es seien 58 Personen nach seinen Informationen in der Nacht auf Mittwoch im Grenfell Tower gewesen, die nun vermisst würden. "Leider muss ich deshalb davon ausgehen, dass sie tot sind", ergänzte Cundy. Die zuvor bestätigten 30 Opfer seien in dieser Zahl bereits enthalten. Cundy ergänzte allerdings, dass sich die Zahlen weiter verändern könnten.

In dem Gebäude war am Mittwoch ein gewaltiger Brand ausgebrochen. Dutzende Menschen wurden von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet, anderen gelang selbst die Flucht. 19 Verletzte wurden am Samstag noch in Krankenhäusern der britischen Hauptstadt behandelt. Zehn von ihnen befanden sich in kritischem Zustand, wie die Gesundheitsbehörde NHS mitteilte.

Sondersitzung

Nach dem Hochhausbrand in London ist die britische Premierministerin Theresa May mit Regierungsmitgliedern zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Mit dem Treffen wolle sie dafür sorgen, dass "alles Mögliche getan wird, um die Betroffenen der Tragödie von Grenfell zu unterstützen", sagte ein Regierungssprecher am Samstag.

Später werde May in der Downing Street Opfer der Brandkatastrophe und freiwillige Helfer treffen. Bei dem Feuer im Grenfell Tower waren in der Nacht auf Mittwoch mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden erwarten, dass die Zahl der Toten noch weiter steigt. 19 Verletzte befinden sich weiterhin in Spitalsbehandlung, zehn davon sind in einem kritischen Zustand.

Kritiker hatten Theresa May vorgeworfen, ihre Regierung habe zu spät auf das Unglück reagiert. Bei Protesten am Freitagabend hatten Demonstranten ihren Rücktritt gefordert (siehe Bericht "Demonstranten stürmen Rathaus").

Vize-Premier: May genauso bestürzt wie wir alle

Vize-Premier Damian Green wies Samstagfrüh Vorwürfe zurück, May habe nicht angemessen auf das Unglück reagiert. "Sie ist von den Ereignissen genauso bestürzt wie wir alle", sagte Green der BBC.

Die Regierung werde in den kommenden Tagen einen Vorsitzenden für die öffentliche Untersuchung des Brandes bestimmen, kündigte Green an. Bei Protesten und Solidaritätskundgebungen für die Brandopfer hatten Demonstranten am Freitagabend unter anderem einen Rücktritt der Premierministerin gefordert. Zuvor war May als "Feigling" beschimpft worden, als sie aus einer Londoner Kirche in der Nähe des Brandorts kam. Dort hatte sie den Opfern Hilfe in Millionenhöhe versprochen. Bei einem Fernsehinterview am Freitagabend hatte eine Journalistin May wiederholt gefragt, ob sie die Wut im Land nicht begriffen habe.

Kritiker hatten May vorgeworfen, nicht schnell genug auf das Unglück reagiert zu haben. Zudem hatte sie bei einem Besuch am Grenfell Tower am Donnerstag nicht mit den Opfern gesprochen. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte unterdessen Betroffene getröstet. Am Freitag besuchte May Verletzte in einem Londoner Krankenhaus.

Queen: "Trübe Stimmung"

Zu ihrer offiziellen Geburtstagsfeier hat die Queen die derzeit bedrückte Stimmung im Vereinigten Königreich zum Thema gemacht. Die 91-jährige Monarchin sprach über die schweren Tragödien, die sich in den vergangenen Monaten ereignet hatten.

"Heute ist üblicherweise ein Tag zum Feiern. In diesem Jahr jedoch, ist es schwierig einer sehr trüben Stimmung im Land zu entkommen", sagte die britische Königin Elizabeth II. in einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung.

Neben dem Hochhausbrand in London mit Dutzenden Toten gab es in Großbritannien mehrere Terroranschläge. "In den vergangenen Monaten hat das Land eine Reihe von furchtbaren Tragödien erlebt", betonte die Queen. Bei ihren Besuchen bei den Opfern in den betroffenen Städten sei sie von der Bereitschaft der Menschen beeindruckt gewesen, andere Menschen in Not zu unterstützen. Das Vereinigte Königreich sei auf die Probe gestellt worden und habe sich im Angesicht der Widrigkeiten als standhaft erwiesen.

Der eigentliche Geburtstag von Elizabeth ist der 21. April, doch sie feiert offiziell am zweiten Samstag im Juni mit einer Geburtstagsparade. (APA, 17.6.2017)

  • Vom Grenfall Tower blieb nur eine verkohlte Ruine.
    foto: apa/afp/hallen

    Vom Grenfall Tower blieb nur eine verkohlte Ruine.

  • Queen Elisabeth II ist 91 Jahre alt. Ihr Geburtstag stimme sie heuer nicht so fröhlich wie sonst, sagt die Monarchin.
    foto: apa/chris ratcliffe

    Queen Elisabeth II ist 91 Jahre alt. Ihr Geburtstag stimme sie heuer nicht so fröhlich wie sonst, sagt die Monarchin.

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