Julya Rabinowich: Eine für alle

16. Juni 2017, 17:00
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Warum wird das Wort Homo-Ehe bemüht? Ehe ist Ehe. Mensch ist Mensch

Es gibt, sagt der Mephisto in "Der Meister und Margarita" von Bulgakow, bevor er den Buffetbetreiber, der verdorbene Waren anbietet, abstraft, nur einen Frischegrad. Nämlich den Frischegrad erster Qualität. Dasselbe gilt für die Ehe. Und eigentlich auch für die Liebe. Man kann nicht ein bisschen lieben, ein bisschen heiraten. Sich den Magen ein bisschen verderben geht schon, ist aber nicht unbedingt jedermanns Ziel. Man kann nicht ein bisschen heiraten, aber gleichgeschlechtlich liebenden Menschen wird in Österreich nach wie vor nicht mehr als das eingeräumt.

Das ist rückwärtsgewandt, sinnbefreit, ausgrenzend und inhuman. Eine unnötige Schikane, die Menschen ungleich machen soll, die gleich an Rechten geboren wurden. Was würde denn anderen Brautpaaren fehlen, wenn alle Menschen ungehindert heiraten könnten? Von Homozwangsehen geht definitiv keine reale Gefahr aus. Wer will, der kann, wer nicht will, soll machen, was ihm richtig scheint.

Überhaupt: Warum wird das Wort Homo-Ehe bemüht? Ehe ist Ehe. Mensch ist Mensch. An der sogenannten Ehe für alle entzünden sich aber immer noch wilde Diskussionen. Die ÖVP, jetzt aber ganz neu mit Sebastian Kurz, zeigt eine blasstürkise Handschrift längst vergangener Zeiten. Warum eine Liebe weniger wert sein sollte als die andere, und das im Jahre 2017, wie Ulrike Lunacek treffend festhält, erschließt sich nicht. (Julya Rabinowich, 16.6.2017)

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