"Die Auserwählten": Irritation im Weltraum

    16. Juni 2017, 16:23
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    In dem Stück sollen vier expeditionswillige und fernsehtaugliche Astronauten den Mars besiedeln. Die Landung erfolgt im Zillertal beim Steudltenn-Festival

    Uderns – Das Zillertaler Theaterfestival Steudltenn katapultiert sich mit seinem jüngsten Wurf Die Auserwählten ins All und landet auf dem Mars. Denn auf der Erde ist es der Menschheit zu eng geworden, Neuland soll urbar gemacht werden. Also hat in einem beinharten Auswahlverfahren ein Fernsehmoloch vier Kandidaten mit Alphaattributen gefiltert, die nun auserwählt sind, den Mars zu besiedeln.

    Zugleich sind sie auch Akteure einer außerirdischen Reality-TV-Show, die auf der Erde die Massen vor die Bildschirme bannen und den Investoren beste Quoten liefern soll.

    Hakon Hirzenberger, umtriebiger Festivalleiter, Autor und Regisseur, nimmt in seinem Stück jenes utopische Szenario vorweg, das auch in der Realität gerade entwickelt wird. In der Umsetzung hat sich Hirzenberger neben Casting-Formaten auch von Filmklassikern wie 2001: Odyssee im Weltraum und The Truman Show inspirieren lassen.

    Verdacht des Fake

    Auf einer im Halbkreis gebogenen, den gesamten Bühnenraum umspannenden Leinwand vollzieht sich, untermalt mit pompöser Musik, die Reise durch den Weltraum (Videodesign: Bernd Kranebitter). Indes spuckt die Raketenkapsel drei beherzte und hochmotivierte Mars-Entdecker aus (Maddalena Hirschal, Susanna Bihari, Alexander Braunshoer). Mit Eintreffen des vierten Crewmitglieds (Sven Sorring) – er versteckt sich unter einer Burka und weiß so gar nicht recht, was er hier überhaupt soll – machen sich erste Irritationen breit. Als dann der Bordcomputer, der als weibliches Gesicht mit freundlicher Stimme seine Ansagen trifft, sich in einer Endlosschleife verliert und der Kontakt zur Erde abbricht, liegen die Nerven blank.

    Eine besorgte Mutter und ein Präsidentschaftskandidat, der es mit kreideweichem Gesäusel und Dackelblick in die Hofburg geschafft hat, schalten sich noch per Video zu. Doch da nagt schon der Verdacht, dass alles Fake sei.

    Sicherlich nicht Fake ist, dass die intergalaktische Abenteuerreise ab 20. Juli seine Fortsetzung am Wald4tler Hoftheater findet. (Dorothea Nikolussi-Salzer, 16.6.2017)

    Bis 24. 6.

    20. 7. bis 5. 8. auch im Wald4tler Hoftheater

    www.steudltenn.com

    • Wenn die Technik versagt, bleibt nur der Mensch: Diese Marsianer werden bald den Kontakt zur Erde verlieren.
      foto: christian winder

      Wenn die Technik versagt, bleibt nur der Mensch: Diese Marsianer werden bald den Kontakt zur Erde verlieren.

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