Amazon kauft sich ins stationäre Biogeschäft ein

16. Juni 2017, 18:19
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Der Konzern zahlt 13,7 Milliarden für Whole Foods Markets

Seattle – Der Onlinehändler Amazon kauft die US-Biokette Whole Foods Market und steigt damit in den USA in großem Stil in den Handel mit frischen Lebensmitteln ein. Amazon biete in der rund 13,7 Milliarden US-Dollar schweren Transaktion 42 Dollar pro Aktie des Lebensmittelhändlers, teilte der Internetkonzern am Freitag mit.

Laut Amazon wird die auf Biolebensmittel spezialisierte Kette Whole Food Markets weiter eigene Läden betreiben, die Marke soll erhalten bleiben. Auch der Chef der Kette, John Mackey, bleibe an Bord. Ein Abschluss des Deals werde in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Durch den Zukauf dürfte Amazon beim Vertrieb von frischen Lebensmitteln noch schlagkräftiger werden. Whole Foods Market bietet die Lieferung zu Kunden bereits an.

Die 1978 in Austin, Texas, gegründete Kette setzte nach eigenen Angaben 2016 rund 15,7 Milliarden Dollar um. Sie betreibt über 460 Geschäfte, den Löwenanteil davon in den USA. Einige Filialen gibt es aber auch in Kanada und Großbritannien. Whole Foods Market beschäftigt rund 87.000 Menschen.

Handelskonzerne zittern

Die Ankündigung führte zu einem Ausverkauf von Aktien traditioneller Handelskonzerne in den USA. Diese müssen nun noch mehr die Konkurrenz des Onlineriesen fürchten. Mit dem Zukauf könne Amazon im US-Lebensmittelhandel nachhaltig Fuß fassen und traditionelle Händler angreifen, sagte Neil Saunders, Handelsexperte bei Globaldata Retail in New York. Aktien von US-Handelsriesen stürzten ab. Wal-Mart-Papiere gaben etwa sechs Prozent nach. Aber die Ankündigung schickte auch Schockwellen nach Europa – Frankreichs Branchenprimus Carrefour verlor an der Pariser Börse 2,5 Prozent, Anteilsscheine des deutschen Handelsriesen Metro gaben um 1,6 Prozent nach.

Amazon ist längst auch in Europa auf dem Lebensmittelmarkt aktiv. In einem Modellversuch bietet der US-Riese in Deutschland frische Lebensmittel an. Amazon-Prime-Kunden in Berlin und Potsdam können ihre Einkäufe über den Onlinehändler erledigen. Die Deutsche Post liefert diese dann an die Verbraucher. Traditionelle Lebensmittelhändler haben die Expansion des US-Riesen in den hart umkämpften deutschen Lebensmittelmarkt im Blick. Einige haben sich mit eigenen Onlineshops in Stellung gebracht.

Wachstumsgeschäft

Onlinehandel mit Lebensmitteln ist in allen Ländern ein großes Wachstumsgeschäft. In Österreich gab es dabei eine Steigerung um etwa ein Viertel. Die Rewe-Tochter Billa hat eine Steigerung des Onlinegeschäfts von 160 Prozent verzeichnet. Auch Konkurrent Spar geht in den Onlineverkauf von Lebensmitteln, die Post bietet diesen Service über ihre Plattform shöpping.at an.

In Deutschland liegt der Lebensmittelhändler Rewe nach eigenen Angaben derzeit im Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln vorn. Der Umsatz Rewes in dem Geschäft lag in Deutschland zuletzt bei über 100 Millionen Euro. Der Onlineumsatz mit Lebensmitteln in Deutschland könnte nach Prognosen des Marktforschers GfK von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf jährlich mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2025 wachsen. Dem Handelsverband HDE zufolge ist der Onlineanteil am Handel mit Lebensmitteln und Delikatessen in der Bundesrepublik derzeit aber noch gering. Er lag 2016 bei 0,8 Prozent. Experten gehen aber von einem raschen Wachstum aus.

Zuletzt kündigte Amazon auch ein Interesse an der Messaging-Plattform Slack an. (APA, red, 16.6.2017)

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